Der STANDARD-Podcast zum Glücklichwerden
00:00:00: [Musik]
00:00:04: Ort des Geschehens ist das Gymnasium an der Dreierschützengasse.
00:00:07: Unverletzte Schüler werden in einem Betreuungszentrum gebracht
00:00:10: und von Kriseninterventionsteams beraten.
00:00:12: Wir haben zu viele Verletzungen gehabt, sogar unsere Lehrern ist gestorben.
00:00:15: [Musik]
00:00:20: Willkommen zu "Besser Leben", dem Standard-Podcast "Zum Glücklich werden"
00:00:24: beziehungsweise heute eher zum "Nicht unglücklich werden".
00:00:27: Ich bin Martin Scherhuber.
00:00:28: Ich bin Franziska Zödel.
00:00:29: Und ja, für alle jene, die dieser Folge vielleicht
00:00:32: eins viel später im Podcast viel hören werden,
00:00:35: wir nehmen sie am Tag nach dem Armour-Klauf in Graz auf.
00:00:37: Und mit dem müssen wir noch alle ein bisschen fertig werden.
00:00:41: Viele Menschen sind sehr betroffen und denen und auch uns selbst
00:00:45: wollen wir mit dieser Folge heute helfen.
00:00:47: Das ist alles sehr spontan, deshalb erscheint die Folge auch ein paar Stunden später.
00:00:50: Sonst, und sollte die Trunkqualität vielleicht nicht so sein wie gewohnt,
00:00:53: bieten wir um Verständnis.
00:00:55: Und wir haben uns Hilfe geholt, und zwar von Cornel Binder Griegelstein.
00:00:59: Er ist Klinischer Psychologe, Leiter der Notfallpsychologie
00:01:02: beim Verband Österreichischer PsychologInnen.
00:01:05: Und deshalb momentan natürlich ein sehr gefragter Mann.
00:01:08: Wir freuen uns sehr, dass er trotzdem Zeit gefunden hat.
00:01:10: Herr Binder Griegelstein, danke, dass Sie heute hier sind.
00:01:13: Gerne, danke für die Einladung.
00:01:15: Meine ganz grundsätzlich krisen Intervention ist jetzt in aller Munde.
00:01:18: Worum geht es denn in solchen Extremsituationen?
00:01:21: Was ist da in den ersten Minuten, Stunden, Tagen für wirklich Betroffene
00:01:25: so das Entscheidendste?
00:01:26: Also von außen gesehen würde ich sagen, dass man drei Phasen unterscheiden kann.
00:01:31: Die erste ist, gerade vor dem Hintergrund von solchen Ereignissen,
00:01:36: dass zuerst die körperliche Sicherheit hergestellt wird.
00:01:39: Also, dass durch die Exekutive es einen Raum gibt, der es sicher definiert wird,
00:01:45: wo man sich zurückziehen kann.
00:01:47: Und das ist sicherlich der erste Schritt.
00:01:49: Der zweite ist, dass es um eine zilfliche Versorgung geht.
00:01:53: Rettungstechnische Versorgung, ärztliche Versorgung.
00:01:56: Und dann ist der dritte Punkt, sozusagen die psychische Betreuung.
00:02:00: Und da kommt dann die Krisenintervention ins Spiel.
00:02:03: Und jetzt heißt es immer, ja, die Krisenintervention ist da.
00:02:06: Als Mensch, der das noch nicht erlebt hat, was macht man denn da so in diesen ersten Minuten,
00:02:11: Stunden, nachdem was ganz Furchtbares passiert ist in der Krisenintervention?
00:02:16: In den ersten Minuten geht es darum, die Personen zu stabilisieren.
00:02:21: Das bedeutet also, dass ich ein Viservibin, von dem der Betroffene das Gefühl hat,
00:02:27: ich kenne mich mit solchen Situationen aus, ich halte solche Situationen aus
00:02:32: und ich kann ihnen eine emotional stabilen Rahmen bitten.
00:02:37: Das geht jetzt ein bisschen trivial vielleicht.
00:02:39: Ist aber für die Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation nach einer potenziell dramatisierenden Situation
00:02:45: ein ganz entscheidender Punkt.
00:02:47: Dadurch wird eine Stabilisierung erreicht.
00:02:50: Im zweiten Schritt geht es darum, die Bedürfnisse zu erkennen und zu evaluieren.
00:02:56: Also das kann man sich vielleicht dann schon nicht mehr so leicht vorstellen.
00:02:59: Wenn es darum geht, dass jemand zum Beispiel weint oder schüttert ist oder durcheinander ist,
00:03:05: dass man da schon eine recht gute Übung braucht, um dann mit dem ewigen zu arbeiten,
00:03:12: was momentan die Bedürfnisse sind, die eher emotional brauchen,
00:03:15: neben der Sicherheit und neben der medizinischen Versorgung.
00:03:19: Und das können ganz unterschiedliche sein.
00:03:21: Können Sie da ein Beispiel nennen?
00:03:23: Also zum Beispiel geht es darum, dass jemand sagt, er möchte einen nahegehörigen verständigen.
00:03:28: Das ist etwas, was uns sehr oft vorkommt und das sehr einfach klingt.
00:03:35: Aber wenn zum Beispiel der Telefonnummer nicht da ist oder das Handy nicht verfügbar ist,
00:03:39: wird das sofort zu einer unser täuschen Herausforderung.
00:03:42: Oder es sagt jemand zum Beispiel, er möchte unbedingt einen anderen bekannten oder verwandten
00:03:48: suchen oder finden, der vielleicht auch von diesem Ereignis betroffen war.
00:03:52: Oder es geht darum, dass er sagt, ich möchte jetzt Ruhe haben und möchte alleine sein.
00:03:58: In einem ruhigen und gestörten Raum ist auch vielleicht organisatorisch schwierig,
00:04:03: in so einem komplexen Schadensereignis, wie wir das nennen, zu finden oder anzubieten.
00:04:09: Also das wären so die ersten Schritte.
00:04:11: Jetzt scheint es ja, als hätte zumindest die psychologische Nachbetreuung jetzt in Graz,
00:04:15: doch das dürfte schon sehr stark Thema gewesen sein, welchen Unterschied macht das denn,
00:04:19: wenn so ein dramatisches Erlebnis jetzt wirklich gleich von Anfang an dann professionell betreut
00:04:23: und dann wahrscheinlich auch schnell, besser nachbetreut wird in weiterer Folge.
00:04:27: Weil es gibt ja andere Ereignisse, wo das vielleicht schwieriger ist.
00:04:31: Also wir unterscheiden in der Gräßentauvention die Anfangsphase.
00:04:35: Da sind die Punkte inklusive der sozialen und menschlichen Zuwendung im Vordergrund,
00:04:42: dass jemand da ist, schnell verfügbar ist, stabilisiert weitere Schritte erklärt.
00:04:47: Im zweiten Schritt ist es für uns wichtig, dass eine psychosoziale Fachkraft,
00:04:52: ein Psychologin mit diesen Menschen sich anschaut, was für eine psychische Reaktion
00:05:00: zeigt der auf diesen Vorfall.
00:05:03: Und wenn man sich das so ein bisschen vorstellen kann, vielleicht wenn Screening wird man sich ansehen,
00:05:08: sind das produktive Strategien- und Verarbeitungsmechanismen oder sind es ungeeignete,
00:05:14: destruktive, pathologische Strukturen, dann würde man hier unterstützend Korrigierende angreifen.
00:05:21: Was wären so vielleicht wirklich auch für Menschen, die das selber so was erlebt haben,
00:05:25: was wären dann Mechanismen, wo sie sagen, da muss man aufpassen, das wären dann eben destruktiv pathologisch.
00:05:30: Also zum Beispiel, wenn es aggressives Handeln gibt, das gegen einen selbst gerichtet ist.
00:05:37: Wenn es aggressives Handeln geht, das zum Beispiel an andere gerichtet ist,
00:05:42: wo eine Person oder eine Institution oder eine Situation angeprangert wird.
00:05:48: Oder wenn es zum Beispiel um Selbstmedikation geht, also entweder mit Medikamenten oder mit anderen Substanzen
00:05:55: oder mit Alkohol und das im massiven Ausmaß.
00:05:59: Ich sage es mal in einen Spannungsgetränk, da wird sicherlich kein Problem sein dabei,
00:06:03: aber wenn das sozusagen zu einer Interventionstechnik wird und der Anführungszeichen
00:06:08: und man sich damit betäubt, um da besser druckzukommen,
00:06:11: dann wissen wir auch von der Wissenschaft her, dass das ein destruktives, unproduktives Verhalten ist,
00:06:17: das wahrscheinlich sogar eher auf mittel- und langfristige Sicht negativ wirkt.
00:06:23: Gibt es eigentlich solche Phasen in den ersten Stunden, durch die die Menschen gehen oder ist es total individuell?
00:06:29: Eine Mischung eigentlich, ja, weil es kommt sehr auf den Persönlichkeitstypus an,
00:06:35: ob das zum Beispiel jemand ist, der eher rationell organisiert ist und sagt,
00:06:41: für mich sind Fakten wichtig, für mich sind die nächsten Schritte wichtig,
00:06:45: für mich ist ein Plan wichtig, eine Orientierung, die Rahmenbedingungen.
00:06:49: Bin ich zu Hause sicher, wer ist noch betroffen, wie geht es weiter, ist man in Schule, ja, nein.
00:06:55: Alle diese Dinge zum Beispiel im Vordergrund stehen und sich dann an dieser Struktur anhalten kann.
00:07:01: Wenn das jemand ist, wo die Emotionalität im Vordergrund steht,
00:07:05: dann wird vielleicht da mehr die Gefühle im Vordergrund stehen
00:07:08: und da die Frage sind, die in einer Form vorhanden, wo sie im Sinne einer Entlastung,
00:07:15: also katatisch sozusagen herausgelassen werden können zur Erleichterung,
00:07:20: oder ist das eher eine Disorientierung, wo der Favierte ist, so viel Gefühle auf einmal.
00:07:26: Ich kann sie nicht kontrollieren, das ist unglaublich, das ist unfassbar.
00:07:31: Das kann ich nicht greifen, das zieht mir den Boden unter den Füßen weg.
00:07:35: Und jetzt sehen Sie schon, dass für die beiden unterschiedlichen skizzierten Personen
00:07:39: die erste Intervention oder die zweite vielleicht am Tag danach anders ausschauen wird und muss,
00:07:44: als dass alle das Gleiche kriegen, am Anfang wahrscheinlich bekommen alle das Gleiche.
00:07:49: Stabilisierung, Orientierung, Sicherheit, nächste Schritte planen.
00:07:52: Aber im Weiteren wird es dann wahrscheinlich recht individuell.
00:07:55: Da fällt mir noch ein natürlich, das man auch sagen müsste.
00:07:58: Und dann müssen wir noch schauen, was für eine psychische Stabilität bringt diese Person überhaupt mit?
00:08:05: Ist das jemand, der psychisch stabil ist und erlebt das?
00:08:08: Ist das jemand, der psychisch instabil ist und gerade sich sozusagen stabilisiert,
00:08:13: damit er den Alltag schafft und dann tritt das auf?
00:08:15: Ist es jemand, der schon früher traumatisiert wurde und jetzt ein neuerliches, ein eigenes erlebt?
00:08:21: Und drum ist die Fachlichkeit wichtig, dass man das unterscheiden kann
00:08:24: und dann unterschiedliche Interventionsformen planen kann für jeden einzelnen Typen,
00:08:29: der man vergleich und aber mittelfristig natürlich individuell bequert werden muss.
00:08:34: Das heißt, jedem und jeder Betroffenen müsste eigentlich dann quasi ein Profi zur Seite gestellt werden
00:08:40: für die kommenden Tage und Wochen?
00:08:42: Wir wissen aus der Erfahrung, dass ein Drittel ungefähr der Personen
00:08:48: wahrscheinlich relativ gut ohne irgendwelche weitere Unterstützung da gut durchkommen kann.
00:08:55: Wir wissen, dass es ein zweites Drittel gibt, das Unterstützung braucht
00:08:59: und zwar eher emotional soziale aus dem Umfeld, aus der Familie, aus dem Freundeskreis,
00:09:06: von den Lehrern, wo es auch immer da er sich lukrieren kann zu nehmen.
00:09:11: Und wir wissen, dass es ein drittes Drittel gibt, die tatsächlich fachliche Unterstützung brauchen.
00:09:17: Und wenn Sie mich jetzt fragen würden, was mich auch immer interessiert,
00:09:20: kann man das vorhersehen, welchem Drittel man drin ist?
00:09:23: Leider nein.
00:09:25: Also ich komme aus dem Bereich Einsatzkräfte sehr stark
00:09:28: und da gibt es eine ähnliche Situation, dass die sich sozusagen ja auch gewöhnen
00:09:33: an außergewöhnliche Situationen, bis sie eher gewöhnlich werden,
00:09:37: im Sinne eines positiven Erfahrens, einer Bewältigung eines Wissens sich kann so was schaffen.
00:09:43: Und selbst wenn für Einsatzkräfte ungewöhnliche Ereignisse stattfinden,
00:09:48: gilt auch diese Drittelregelung, wo ich mich nicht weisen möchte und ich bin dabei.
00:09:52: Jetzt gibt es ja auch sehr, sehr viele Menschen, die von solchen Ereignissen
00:09:56: ohne direkt jemanden, der involviert war, zu kennen oder so,
00:09:59: die das trotzdem einfach sehr, sehr betroffen macht und sehr mitnimmt.
00:10:02: Sicher auch unter unseren Hörerinnen und Hörern.
00:10:05: Wenn es einem jetzt wirklich vielleicht schlechter auch geht als dem eigenen Umfeld,
00:10:08: weil ich glaube, es geht jedem schlecht, wenn er das hört.
00:10:09: Wie weiß man denn, dass man jetzt vielleicht auch schon in Richtung professioneller Hilfe
00:10:13: gehen sollte mit dem ganzen Thema?
00:10:15: Also das eine, worauf man sich verlassen kann, grundsätzlich ist,
00:10:19: das kann man so ein bisschen generell sagen, auf das Bauchgefühl.
00:10:24: Hören Sie in sich hinein, spüren Sie in sich, was wäre Ihnen jetzt am angenehmsten?
00:10:30: Und dann kommt heraus, ich ziehe mich zurück in meinen Entspannungsoe-Bereich.
00:10:35: Ich lese ein Buch oder ich will Sozialkontakte oder ich will zu einem Treffen gehen,
00:10:40: von Betroffenen oder ich möchte gerne komplett auf.
00:10:43: abschalten. Also das auf jeden Fall zu tun, wäre mal grundsätzlich der erste Rad,
00:10:48: bis in Warnen möchte ich von der Strategie der Bevölkerung so herum geistert, der Reiter,
00:10:56: der abgestürzt ist vom Pferd, muss unbedingt sofort wieder aufsteigen. Also weder muss,
00:11:01: noch unbedingt, beides nicht, hören Sie auf den Brauchgefühl. Und das Zweite ist, und das
00:11:06: wäre wahrscheinlich ein ganz guter Gradmesser, dass man sich überlegt, es gibt ja die drei
00:11:12: großen Bereiche, die Arbeitsfähigkeit, die Beziehungsfähigkeit und die Lebensfähigkeit. Und
00:11:19: wenn in ein oder mehreren dieser Bereichen nach diesem Ereignis eine Beeinträchtigung stattfindet,
00:11:26: die es vorher nicht gegeben hat, Stichwort Verhaltensveränderung, dann wäre das ein Signal zu
00:11:32: sagen, ich hol mir bitte hier eine Fachkraft, eine Psychologin, um zu schauen, was das für
00:11:39: mich ist, sind meine Strategie in Ordnung, beginnt da etwas aufzukäumen, wo ich vorsichtig sein
00:11:45: sollte, frühzeitig intervenieren könnte, das werden also Ansatzbogte zu erkennen.
00:11:50: Und die Menschen ticken ja in solchen Situationen alles sehr unterschiedlich, also die einen werden
00:11:55: dazu den totalen News-Chunk ist und lesen sich wirklich jede Kleinigkeit über so schreckliche
00:11:59: Ereignisse, durch andere probieren es mit News-Avoidants und wollen eigentlich gar nichts mehr
00:12:03: wissen. Ist eines der beiden problematischer, oder ist es wieder so eine Typfrage, der eine
00:12:07: braucht quasi die Informationen, um zu wissen, ich bin sicher und der andere braucht es nicht?
00:12:12: Ja, es ist eine Typfrage, und zwar weil da unterschiedliche Bewegungsstrategien dahinter stehen,
00:12:18: wie wir das vorher schon versucht haben, uns ein bisschen zu überlegen. Also tun wir dich
00:12:22: niemanden Druck ausüben, das eine machen oder das andere lassen zu müssen, genauso wie die Frage,
00:12:28: nämlich das Handy mit dem Urlaub oder so, ja, das ist immer eine Frage, wie es mein Typ am besten
00:12:33: erfordert. Was wir schon sehen ist, dass man schon acht geben sollte, nicht wahllos und nicht
00:12:42: ungezüglich sozusagen Informationen zu sammeln, weil es dann einen Oberloat geben könnte und der ist
00:12:50: nicht meditativ der eigenen Strategie, sondern führt mögerweise auf seine Belastung noch dazu,
00:12:55: wenn es wie wir das auch in dieser, aber auch in anderen Situationen gesehen haben, auch ungesicherte,
00:13:01: unseriöse oder fehlinformationen handeln. Was ist, wenn man jetzt jemanden kennt, der jetzt da
00:13:07: wirklich auch direkter betroffen ist? Also sei es, dass die Person aus Grazis, sei es, dass die
00:13:12: Person selbst Lehrerin Lehrer ist. Wenn man weiß, die Person ist wahrscheinlich besonders
00:13:15: betroffen, aber man weiß jetzt nicht unbedingt, wie es der Person damit geht. Was kann man da jetzt
00:13:19: als Mensch aus dem Umfeld und was soll man vor allem tun, wenn man da prinzipiell einen guten
00:13:24: Draht hat zu der Person? Wir haben uns schon überlegt, dass es unterschiedliche Bewältungsstrategien
00:13:30: gibt und diese würde ich versuchen als Freund, Nachbar, Angegeiger, möglichst auch zu unterstützen,
00:13:38: also durch Wegshilfe offensiv anzubieten und zu sagen, du, ich habe gehört, du warst dabei,
00:13:44: stimmt das? Wie gehst du damit um? Gibt es einen Punkt, wo ich unterstützen kann? Hast du gerade die
00:13:50: Strategie Kopf in den Sand? Möchtest du lieber dich ablenken? Dann mach mal sowas. Möchtest du lieber
00:13:56: drüber sprechen? Vielleicht sehen wir mal das Gleiche. Dann stehe ich dafür zur Verfügung. Möchtest
00:14:01: du vielleicht eine Hotline oder eine Fachkraft anrufen? Ich helfe dir bei der Suche. Also verstehen
00:14:07: Sie, ich würde versuchen, dort zu unterstützen, wo diese Strategie von demjenigen hintentiert.
00:14:14: Aber jetzt berichten ja sehr schwer Betroffene von so tragischen Ereignissen, also enge
00:14:19: Angehörige zum Beispiel, berichten ja dann mitunter so richtig von so einer schon
00:14:23: erdrückenden Welle der Hilfsbereitschaft. Also quasi, dass der Nachbar vom Nachbarn sich auch
00:14:28: noch meldet und der Essen vorbeipringt, unangemeldet und so weiter und so weiter. Also, man muss
00:14:32: schon ein bisschen aufpassen und ein bisschen Gefühl haben, will der jetzt überhaupt, dass ich
00:14:37: mich bei ihm melde, oder? Richtig, also es ist immer die Frage, kann ich etwas für dich tun und
00:14:44: willst du das? Und meine Haltung ist, man bietet das an wie auf einem kleinen Tablett und da hat man
00:14:51: die Dinge draufstehen, die Angebote. Und ob der Anbrett das herunternimmt, schrick-strich
00:14:57: annehmen kann oder nicht, das bleibt dessen Entscheidung. Und ich sollte darauf achten,
00:15:03: dass in einer Form anzubieten, wo ich auf den anderen keinen Druck ausübe. Und der kann
00:15:09: entscheiden, er nimmt das runter oder heute oder morgen oder was anderes oder gar nicht. Und in
00:15:15: jedem Fall muss es für mich gut sein. Und bin ich da unsicher, wie derjenige das haben möchte,
00:15:21: dann werde ich ihn das fragen und sage, du bitte, sagen wir, was ist dem Angenehmsten. Ich möchte
00:15:26: ich auch nicht so oft ansprechen, damit sie nicht unangenehmes wie jetzt so gerne. Und dann das
00:15:31: zu akzeptieren und auszuhalten, auch wenn er sagt, danke, ich brauche nichts. Wenn wir jetzt
00:15:36: vielleicht schon ein bisschen weitergehen oder noch weiter zurückgehen, auch wenn jetzt jemand in
00:15:40: seiner Vergangenheit so ein Ereignis hatte, das vielleicht eben so traumatisierend war, aber
00:15:45: das ist jetzt nicht, vielleicht damals auch die Erstversorgung nicht so da war und das jetzt
00:15:49: auch noch nicht so richtig aufgearbeitet hat, kann man das noch so richtig nachholen und wenn
00:15:54: ja, wie sollte man das angehen am besten? Wir müssen dann ein bisschen unterscheiden, ob dieses
00:16:00: Nennen wir es jetzt einmal erst als Ereignis produktiv verarbeitet wurde oder ob das nicht
00:16:07: produktiv und effizient verarbeitet wurde. Danach richtet sich wahrscheinlich wie jetzt
00:16:13: nach dem zweiten Ereignis derjenige damit umgeht und da gibt es alle möglichen Kombinationen
00:16:20: davon, dass der vom ersten kaum mehr belastet ist, vom zweiten aber massiv, dass der vom
00:16:25: zweiten kaum belastet ist, aber das alte aufbricht und alle Varianten dazwischen. Also wir sprechen
00:16:32: davon der psychischen Traumatisierung, der primären psychischen Traumatisierung und wie
00:16:38: diese vorhergehenden Traumata verarbeitet sind, hat demnach eine Auswirkung, wie das jetzt
00:16:44: geerlügt wird. Ich habe das kurz angesprochen, Personen, die öfter in potenziell belastende
00:16:50: Situationen kommen von Berufswegen, wie zum Beispiel Einsatzkräfte, die natürlich haben ja
00:16:55: so etwas wie eine Erfahrung gesammelt. Also neu Deutsch wird man davon resilient sprechen und
00:17:02: das könnte natürlich auch bei einem Betroffenen auch der Fall sein, dass er eine postdormatische
00:17:10: Reifung sozusagen erlebt hat und daher vielleicht sogar bewachsen ist, ein ostdormatisches Wachstum
00:17:18: erlebt hat und da vielleicht jetzt erfahren und resilient, das heißt davor, also man kann das nicht
00:17:24: all über einen Kamm scheren. Und weil sie jetzt die Resilienz schon erwähnt haben, gibt es eigentlich
00:17:29: irgendwas, das klingt jetzt so zynisch, was man machen kann, um sich auf solche extreme Ereignisse
00:17:34: so ein bisschen vorzubereiten, kann man die Resilienz trainieren? Die gute Nachricht ist ja,
00:17:39: das geht und Resilienz ist ja grundsätzlich ein weiterer Begriff in der Psychologie und würde
00:17:47: sich sozusagen auf grundsätzlich im Allgemeinen die psychische Widerstandsfähigkeit beziehen und
00:17:54: die kann man erlernen, die kann man üben und die kann man bewusst auch, ich sage es neu Deutsch
00:18:00: ein bisschen, meine Tochter, man kann es auch pinden. Das heißt, da können zum Beispiel Faktoren
00:18:06: dazu wie Optimismus, da gehört zum Beispiel dazu, habe ich ein soziales Netz, das ich nutzen kann,
00:18:13: habe ich einige eigene inneren Ressourcen, die ich nutzen, bedienen, auffüllen, also die ich unter
00:18:20: Kontrolle habe, gibt es für mich Ziele, die ich erreichen möchte. Also Sie sehen schon, das sind
00:18:26: alles Dinge, die man jetzt nicht mit Schnips, mit Fingerschnips herbekommt, aber man kann das
00:18:32: üben und es gibt Untersuchungen von letzten Jahrhundert, die heute durch keine Ethik-Kommission
00:18:39: mehr gehen würden, wo man natürlich verglichen hat, Personen, die das nicht haben und die das
00:18:44: bekommen haben und wenn sie beide vom gleichen Status nämlich einem ungünstig ausgegangen sind,
00:18:50: hat man gesehen, dass man das sehr wohl üben, lernen und positiv beeinflussen kann.
00:18:54: Jetzt ist ja die Welt schon länger eine sehr, sehr schwierige, aber Ukraine,
00:18:58: Gaza, die USA ist alles noch recht weit weg gewesen von uns, es passiert sowas im eigenen Land.
00:19:03: Was hilft denn gegen das Gefühl, dass die Welt gerade einfach nur schlecht ist, wirklich für die
00:19:08: breite Allgemeinheit jetzt, dass wir an vermutlich gerade mehrere Leute haben?
00:19:11: Ich würde das gerne ein bisschen positiv beantworten und zwar bin ich ja immer sehr begeistert von der
00:19:21: kollektiven sozialen Institution Gruppe und das sind wir als kleine Gruppe, das ist mein Mikro-Gruppe
00:19:29: in der betroffenen Einheit, das ist man als Graz, das ist man als Österreich, das ist man auch
00:19:35: weltweit und soziale Gruppen sind in der Regel sehr kompetent und sehr super tief einander
00:19:45: gegenüber und daher kann man auch wahrscheinlich, weil wir das erfahren haben, durch unterschiedlichste
00:19:52: Ereignisse in den letzten fünf bis zehn Jahren schon sich fast ein bisschen positiv gesehen
00:19:58: darauf verlassen, dass die Gruppe zusammenhält, die Gruppe als Gesellschaft zusammenhält. Sie
00:20:03: haben das vorhin angesprochen mit so kleinen Nachbarschaftstätigkeiten, es geht auch darum,
00:20:08: dass man gemeinsam ein Ritual hat, ich glaube, es gab einen Gottesdienst gestern, dass es eine
00:20:15: Stelle gibt, wo Menschen zusammenkommen und Kerzen aufstellen, auch Passanten merken ja diesen
00:20:21: Zusammenhalt, diese Stimmung in diesem Gebiet, also das sind alles Dinge, glaube ich, die sehr wertvoll
00:20:28: sind und man spürt, dass die Gruppe wirklich zusammenhält, zusammen steht und auch die
00:20:35: Betroffenheit ja ein Zeichen dafür ist, dass man mitfühlt. Insofern bin ich da grundsätzlich
00:20:41: positiv eingestellt. Ich glaube, damit können wir schön und versündlich schließen. Ein schöner
00:20:46: Schluss. Herr Binder-Kringelstein, vielen Dank für das Gespräch. Dankeschön. Bitte gerne. Und ja,
00:20:52: wir nächste Woche wird es vielleicht wieder mit etwas Positiveres geben bei uns, ihr könnt uns
00:20:56: abonnieren auf allen Podcast-Plattformen, ihr könnt uns Mehlschreiben und besser leben als der
00:21:00: Standard.at und uns fünf Sterne Bewertungen geben. Wir freuen uns drüber. Genau. Das war besser
00:21:06: Leben der Standard-Podcast zum Glücklichwerden. Ich bin Franziska Zödel. Ich bin Martin Schauber
00:21:10: und produziert wurde die Folge von Christoph Neuwert. Ciao. Bis nächste Woche.