Besser leben

Besser leben

Der STANDARD-Podcast zum Glücklichwerden

Transkript

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00:00:00: Willkommen zu "Besserleben", der Standard-Podcast zum Glücklichwerden.

00:00:07: Es ist die vorletzte Woche unserer Sommerpause, wir spielen nach wie vor Replays und heute

00:00:12: gibt es ein Interview mit einer Ordnungsexpertin, die auch ein bisschen nebenbei quasi paar

00:00:16: Expertinnen ist.

00:00:17: Es geht um das Thema Ordnunghalten in einer Beziehung.

00:00:20: Die meisten kennen das, was ist, wenn man sich nicht ganz einig ist, muss das wirklich

00:00:24: weggeräumt werden, kann das auch bis morgen warten.

00:00:26: Um all das geht es, wie man da tragfähige, dauerhafte Kompromisse gut findet.

00:00:31: Viel Spaß mit der Folge und hoffentlich hilft sie ein bisschen.

00:00:34: Willkommen zu "Besserleben", der Standard-Podcast zum Glücklichwerden.

00:00:42: Ich bin Antonia Arbeiter-Raut.

00:00:44: Ich bin Franziska Zödel.

00:00:46: Und wir reden heute über ein Thema, mit dem sich sogar Albert Einstein schon schwer

00:00:50: getan und beschäftigt hat.

00:00:52: Er hat gesagt, Ordnung braucht nur der Dumme, das geniebeherrscht das Chaos, das soll er

00:00:56: gesagt haben.

00:00:57: Wir sind das skeptisch, mit Blick auf unsere Büroschreibtische habe ich das um eine Zweifel.

00:01:03: Und daher haben wir uns heute einen Ordnungscoach eingeladen.

00:01:06: Sie wird uns erklären, wie zusammenziehen, zusammenleben, klappen kann, wenn man unterschiedliche

00:01:11: Vorstellungen von Ordnung hat und welche Fehler wir alle zu Hause machen.

00:01:16: Katrin Misere ist Ordnungskoch in Wien und sie ist Pressesprecherin des Verbands der

00:01:21: Ordnungsberater Österreich.

00:01:22: Sie rückt an, wenn die Unordnung zu Hause einem im Alltag irgendwann im Weg steht.

00:01:28: Also wenn es zu Hause deswegen nur noch Streit gibt, wenn man keinen Besuch mehr haben kann,

00:01:32: weil einfach so viel Zeug herum liegt.

00:01:34: Herzlich willkommen.

00:01:36: Vielen Dank für die Einladung.

00:01:37: Jetzt habe ich es eh schon gesagt, Sie werden um Hilfe gerufen, wenn irgendwie einem das

00:01:41: Chaos über den Kopf wächst.

00:01:43: Was machen Sie dann eigentlich?

00:01:45: Als erstes kläre ich mit meinen Kundinnen und Kunden das Ziel hinter der Ordnung, weil

00:01:54: ich habe festgestellt, dass nur das Ziel, ich will es ordentlich haben, als Motivator

00:01:59: nicht ausreicht.

00:02:00: Das heißt, wir müssen erst mal feststellen, worum geht es mit den eigentlich.

00:02:04: Und dann anschließend geht es um etwas, was ich die Bestandsaufnahme nenne.

00:02:09: Also das heißt, sich mit dem Besitz gründlich auseinandersetzen und für sich zu entscheiden,

00:02:18: was ist Spreu und was ist Weizen und dann die Spreu mit einem guten Gefühl gehen zu

00:02:23: lassen.

00:02:24: Und ab wann wird Unordnung überhaupt zum Problem, weil also so diese paar Stühle mit bergeweise

00:02:33: Klamotten und den einen oder anderen Stapelzeug hat ja jeder von uns in seiner Wohnung oder

00:02:38: fast jeder.

00:02:39: Das ist jetzt eine blöde Antwort, das ist individuell, das ist so eine langweilige Antwort,

00:02:45: aber es ist tatsächlich so, ich würde mal sagen, der kleinste gemeinsamen Nenner ist,

00:02:50: wenn der Alltag anfängt dysfunktional zu werden.

00:02:53: Und das kann eben unter anderem bedeuten, ich kann mich nicht mehr frei bei meine Zeit

00:02:59: verfügen, weil ich permanent das Gefühl habe, ich müsste mich eigentlich um die Wiederherstellung

00:03:05: der Ordnung kümmern.

00:03:07: Zählt da auch schon dazu, wenn man ständig irgendetwas sucht?

00:03:10: Ja, würde ich schon sagen, wenn man ständig etwas sucht, weil die Dinge keinen festen

00:03:16: Platz haben und wenn man dadurch im Alltag beeinträchtig ist, weil man dafür andere

00:03:21: Sachen nicht machen kann, die man lieber machen würde, dann würde ich sagen, ja, das

00:03:26: könnte man sich schon mal anschauen unter dem Aspekt.

00:03:28: An diesem Punkt anhöre ich noch aufmerksam.

00:03:30: Vielleicht sollte man an diesem Punkt aber auch sagen, das haben Sie mir im Vorfeld gesagt,

00:03:35: Messis, das ist wieder eine ganz andere Kategorie, für die Sie wiederum nicht zuständig sind,

00:03:40: da braucht es ganz andere Unterstützung und Hilfe.

00:03:43: Ja, ganz richtig, also Messis brauchen eine therapeutische Unterstützung, das kann ich

00:03:49: nicht bieten, ich kann mit jemandem zusammenarbeiten, der schon in guter therapeutischer Unterstützung

00:03:56: ist.

00:03:57: Aber was sind jetzt so Extreme Beispiele, die Ihnen unterkommen, die jetzt nicht Messis sind,

00:04:03: sondern Menschen wie Antonia und ich?

00:04:05: Gut, also fangen wir mit einem Extrembeispiel an, wenn ich in einen Haushalt komme und mir

00:04:12: jemand sagt, ich habe noch nie in meinem Leben ausgemistet, das ist nicht so selten tatsächlich,

00:04:17: dann kann man sich schon sehr gut vorstellen, was das für Ausmaße hat und dass diese Menschen

00:04:24: ja schwer überfordert sind, weil sie nicht wissen, wo anfangen, ansonsten, wenn die Unordnung

00:04:31: zum Streit führt, zu viel Konflikten führt, der eine Teil ist ordnungsglieben, der andere

00:04:37: kann locker über viel hinwegsehen, das kann dann zum Dauerbrenner werden.

00:04:43: Wir wollen heute ganz speziell über ein Thema sprechen, nämlich über das Zusammenziehen

00:04:48: und da war es bei mir so, als ich mit meinem ersten Partner zusammengezogen bin, waren

00:04:51: das zwei WG-Zimmertie kombiniert wurden, das war noch kein großes Problem, da konnte

00:04:56: man bei IKEA tatsächlich noch ein paar neue Sachen suchen, bei meiner letzten Wohnungszusammenlegung

00:05:02: waren es dann aber eigentlich schon zwei komplette Haushalte, die da aufeinander getroffen sind,

00:05:07: von Waschmaschine bis hin zum Staubsauger und zum Korrektensier, wie geht man es an, damit

00:05:13: man dann nicht im Endeffekt alles doppelt und dreifach hat?

00:05:16: Ich glaube, das Wichtigste ist einmal, dass man sich zusammen überlegt, wie soll denn

00:05:22: unsere Grundlage ausschauen, weil natürlich, wenn man anfängt zusammenzuziehen, dann freut

00:05:28: man sich, man ist voller Euphorie und niemand mag dann wirklich über einen Korkenzier reden,

00:05:32: das kommt vielleicht ein bisschen kleinlich rüber und niemand ist gern kleinlich, aber

00:05:38: dass man sich schon vorab eine gemeinsame Vorstellung erarbeitet, klingt jetzt sehr anstrengend,

00:05:45: wie soll denn unser Zusammenleben funktionieren, was sind wir bereit für die Ordnung zu investieren

00:05:51: an Zeit, was sind unsere Ordnungsvorstellungen und dann muss man sich so überlegen, ob

00:05:58: man mit allem zusammenzieht und dann gemeinsam ausmistet, ja, es bleibt das Best of übrig,

00:06:04: ja, dein Korkenzier funktioniert überhaupt nicht, meiner funktioniert super, das Ganze

00:06:08: ein bisschen pragmatisch vielleicht angehen, wenn es gelingt, gerade mit Gegenständen,

00:06:13: wo jetzt nicht so viel Emotion dranhaftet.

00:06:16: Jetzt haben Sie ja vorhin schon gesagt, es gibt Beziehungen, da gibt es ganz unterschiedliche

00:06:20: Vorstellungen, da ist natürlich der Streit so ein bisschen vorprogrammiert, was tun,

00:06:26: können solche Menschen überhaupt glücklich zusammenwohnen?

00:06:29: Es ist jetzt eine Frage, die so pauschal mag ich die gar nicht beantworten, aber natürlich

00:06:35: das Ordnungsthema ist ein Konflikttema im Grunde genommen wie jedes andere und von daher

00:06:40: alle Paare haben irgendeinen Konflikttema und auch das Ordnungsthema kann man natürlich

00:06:45: ähnlich bearbeiten als Paar, auch hier finde ich es wichtig, dass man sich überlegt, was

00:06:52: soll uns die Ordnung denn als Paar bringen oder auch als Familie, wie können wir als

00:06:58: Familie nicht leben, wenn wir nicht ein gewisses Maß an Ordnung haben und ganz klar ist es

00:07:05: beide Partner und das ist jetzt natürlich auch eine totale Binsenweisheit, müssen ihrer

00:07:10: Gegenseitigen, ihre eigenen Vorstellungen, ihre Single Vorstellungen, von denen sollten

00:07:15: sie sich verabschieden und eine gemeinsame Vorstellung entwickeln, also das heißt niemand

00:07:20: wird am Ende als der Sieger oder die Siegerin dastehen, weil sich der andere komplett anpasst,

00:07:25: das wird nicht funktionieren.

00:07:26: Aber wenn dem einen jetzt wichtig ist, die Handtücher sind oft Handte im Kasten und

00:07:31: die andere sagt mir ist es völlig egal wie es im Kasten ausschaut, was kann man da zum

00:07:35: Beispiel für einen Kompromiss finden?

00:07:37: Zu so einem Paar würde ich jetzt erstmal sagen, also die Handtücher, die auf Kante liegen

00:07:42: oder nicht auf Kante liegen, das beeinträchtigt jetzt meinen Alltag nicht, das macht jetzt

00:07:46: den Alltag nicht dysfunktional.

00:07:48: Wichtig ist der gemeinsamen Nähner, die Handtücher müssen zusammengelegt und an einem Ort sein,

00:07:54: den alle kennen und irgendwer legt halt die Handtücher zusammen und da muss man halt

00:08:00: sagen okay du legst halt die Handtücher so zusammen, wenn du gerade die Wäsche zusammen

00:08:03: räumst, das akzeptiere ich und ich mache es dann so wie es mir besser gefällt, wenn

00:08:08: ich gerade dabei bin die Wäsche zusammenzulegen, also gewisse Dinge kann man vom anderen einfach

00:08:15: nicht erwarten, weil die eigenen Vorstellungen dann einfach auf einem Level sind, da kann

00:08:21: man den anderen nicht hinbringen und das würde dann in einen Machtkampf ausarten.

00:08:25: Und wie schafft man es, dass nicht immer die Person, die ein bisschen ordentlicher ist,

00:08:30: die ganze Arbeit macht, weil man es halt einfach schneller als Störende empfindet?

00:08:34: Also schlechte Nachricht ist, wenn ich möchte, dass die Dinge so erledigt werden, wie es

00:08:40: mir am besten gefällt, muss ich es leider selber machen.

00:08:43: Das ist wirklich, das ist wirklich eine blöde Nachricht, wenn es einem gelingt selber ein

00:08:48: bisschen lockerer zu werden und über das eine oder andere hinweg zu sehen, dann kann man

00:08:54: sich selber damit sehr gut helfen, ich spreche aus eigener Erfahrung und ich denke mir also

00:09:00: für mich ist immer so der Gradmesser, wenn ich innerhalb von einer Viertelstunde, 20 Minuten,

00:09:06: wenn alle anpacken, alles wieder auf einem guten Stand ist, das ist dann ein Maß, mit

00:09:11: dem ich auch gut und entspannt auch noch einen Tag aushalte.

00:09:15: Sie haben vorher Erinnerungsstücke schon angesprochen.

00:09:19: Jetzt mal angenommen, mein Partner hat einen sehr schweren, sehr dunklen Massivholzkautstisch.

00:09:26: Xbeliebig gewähltes Beispiel, das bestimmt nicht, dass meinem Leben kommt.

00:09:31: Wie gehe ich damit um, wenn mich der dann doch irgendwie in meinem Umfeld ein bisschen stört?

00:09:38: Wichtig wäre mal rauszufinden, warum der Partner so an dem Stück hängt, das heißt, da muss

00:09:45: man natürlich als Person, dem das ein Dorn im Auge ist, ganz offen sein und versuchen,

00:09:52: sich in das Gegenüber reinzuversetzen, damit derjenige dann auch sagen kann, was ist denn

00:09:58: tatsächlich mit diesem Stück, worum geht es mit dem, warum ist mit der so wichtig?

00:10:02: Wenn ich dann als Partner oder als Partnerin verstehe, okay, mit dem Schrank, da hat es

00:10:07: mehr auf sich, als ich mir im ersten Augenblick gedacht habe, dann würde ich mal davon ausgehen,

00:10:13: dass man vielleicht so ein Stück erstmal auch akzeptieren kann.

00:10:17: Alles, was wir in unserer gemeinsamen Wohnung haben, ist ja immer Gegenstand einer Begutachtung

00:10:24: oder sollte es sein und das heißt, der Schrank kann in ein, zwei Jahren dann plötzlich zur

00:10:29: Diskussion stehen.

00:10:31: Ich musste auch immer an diese Harry und Sally-Szene denken, wo sie über diesen Couch-Tisch diskutieren,

00:10:38: dieses Rad.

00:10:39: Ich weiß nicht, ob ihr die kennt, dringend anschauen, wenn es wieder in der Weihnachtszeit

00:10:43: überall läuft.

00:10:44: Es ist ja auch umgekehrt so, dass ich dann zum Beispiel meinem Partner oder meiner Partnerin

00:10:48: sagen kann, warum nervt mich der denn so?

00:10:51: Und dann kann vielleicht auch der andere ein Verständnis entwickeln und sagen, okay,

00:10:56: wow, also wenn das so schlimm ist für dich, dann bin ich eigentlich bereit, den auch gehen

00:11:00: zu lassen.

00:11:01: Ja, von der Ur-Oma gegen "Ich hau mir ständig die Zehen an" ist halt ein bisschen eine

00:11:05: schwierige Konkurrenz.

00:11:07: Du ziehst da ändert dich die Kürzere.

00:11:08: Jetzt sind ja häufig Erinnerungsstücke, so Kleinigkeiten, die irgendwie die Wohnung

00:11:12: zumöbeln.

00:11:13: Also keine Ahnung, kleine Schallplatten-Sammlung, kleine, was auch immer, Kristallfigurchen.

00:11:19: Ich weiß es nicht.

00:11:20: Das ist ja irgendwie schwierig, weil eben wie die Antonia sagt, es kommt von der Oma,

00:11:24: das kommt vom Opa.

00:11:25: Ich kann mich unmöglich davon trennen, weil es macht mich zu einem schlechten Menschen

00:11:27: oder wie argumentiert man da?

00:11:29: Also das, was jetzt hier gerade, also das ist eine Erinnerung und deshalb kann ich es nicht

00:11:37: weggeben.

00:11:38: So funktionieren ja alle.

00:11:39: Wenn wir uns jetzt mal ausreden oder bedenken, wenn es ums Auswirkthin geht.

00:11:42: Das heißt, was passiert ist, wir sagen, das ist eine Erinnerung und hören auf zu denken,

00:11:47: als wäre das sozusagen eine logische Gesetzmäßigkeit.

00:11:50: Das ist eine Erinnerung, also muss ich es ja behalten.

00:11:54: Ja, das ist irgendwie, ich weiß nicht, das hat man sich dann vielleicht mal so eingeübt.

00:11:58: Was ich dann mache, ich denke dann weiter.

00:12:00: Also ich fange dann erst an zu denken.

00:12:03: Das heißt, ich frag dann, na ja, ich frag dann nach den Erinnerungen.

00:12:07: Was sind denn das für Erinnerungen?

00:12:09: Und oft höre ich dann zum Beispiel, zum Beispiel, sagen wir mal, ein Souvenir und ja, da hängen

00:12:16: Erinnerungen dran.

00:12:17: Das war der Urlaub bla bla bla und dann frage ich, na ja, was sind das für Erinnerungen

00:12:21: und dann kommt vielleicht zum Beispiel, das war ein total fürchterlicher Urlaub.

00:12:25: Wir haben uns die ganze Zeit gestritten und das Wetter war grauenhaft.

00:12:29: Und dann kann man feststellen, aha, okay.

00:12:32: was ist denn das? Auch Erinnerungen haben ja eine Qualität und um die Qualität der Erinnerung geht's.

00:12:37: Und wenn man sich einfach da ein bisschen genauer mit beschäftigt, dann kann man auch merken,

00:12:42: aha, okay, das ist eigentlich was, das erinnert mich an etwas, was ja nicht, das ist ja keine

00:12:46: schöne Erinnerung. Und dann sind die meisten, ich sage jetzt mal, alle bereit, das auch gehen zu

00:12:52: lassen, weil dann einfach etwas erkannt wird. Stimmen die Klischee ist, dass sich die Frau dann

00:12:57: am Ende wieder mehr um die Orten kümmert, weil es eben ihr wichtiger ist und der Mann weniger. Wer

00:13:01: sind denn ihre Kundinnen und Kunden? Im Moment würde ich mal sagen, es ist 50/50 tatsächlich, also ich

00:13:08: habe 50 Prozent männliche, 50 Prozent weibliche Kunden, das hat sich sehr geändert. Also ich glaube,

00:13:15: mein ersten Kunden hat sich wahrscheinlich, ich weiß ich nicht, nach sieben, acht Jahren, davor

00:13:19: habe ich tatsächlich nur Frauen angerufen. Was sich jetzt auch geändert hat, ist, dass mich Paare

00:13:26: gemeinsam anrufen und nicht nur der eine entnerft Teil, sondern dass da wirklich schon beide in einem

00:13:32: Boot sitzen. Wenn wir jetzt mal so an unsere Haushalte denken, was sagen Sie denn ganz konkret,

00:13:40: welchen Tipp geben Sie Leuten, wo Sie anfangen sollen mit Ordnung schaffen? Also ums Ordnung

00:13:46: schaffen geht es ja eigentlich erst mal gar nicht. Ich sage zu meinen Kunden immer, es geht jetzt

00:13:53: erst einmal darum, alle Vorbereitungen für die zukünftige Ordnung gut und gründlich abzuschließen.

00:13:59: Und es ist bei allen, ich kann es wirklich so sagen, oder ja, ich kann es an einer Hand abzählen,

00:14:05: Leute, wo es nicht ums Ausortien ging, sondern wirklich nur ums Strukturieren. Alle anderen

00:14:10: kümmern sich erst mal um die Reduktion ihres Besitzes, damit dann jedes Ding einen Platz

00:14:16: bekommen kann. Von daher würde ich immer sagen, wo fangen wir denn mal bei der Reduktion an? Ich

00:14:22: empfehle mit etwas anzufangen, was optisch viel bringt. Das könnte zum Beispiel die Kleidung

00:14:29: sein oder auch die Küche finde ich immer einen sehr schönen Bereich, weil A. Verwendet man den

00:14:35: oft oder will ihn gerne verwenden und es ist sehr abgezirkelt und begrenzt und es ist dann im

00:14:41: Bereich, den man dann relativ schnell wieder gut für sich verwenden kann und es gibt natürlich

00:14:45: einen Auftrieb für alle weiteren Schritte. Ich denke mit Grauen an die Tupperware-Lade in meiner

00:14:52: Wohnung, wo da immer irgendwas hin nach hinten fällt, weil es schon so viel ist. Ach, ich will

00:14:56: gar nicht drüber nachdenken. Aber Kleiderkasten auch sehr spannend. Da gibt es ja dann eben immer

00:15:01: diese Idee, was man mal ein Jahr nicht getragen hat, weg damit. Wie sehen Sie das? Ich finde das,

00:15:07: weil das ist ein ganz pragmatischer Ansatz und der kann einem auch helfen, schnell viel los zu

00:15:12: werden. Aber er verhindert halt das Erkennen von so typischen, zum Beispiel, Fehlkäufen. Also ich

00:15:23: bin eher dafür, dass man sich mit jedem Ding ein bisschen eingehender beschäftigt und nicht nur

00:15:27: nach der Zeit fragt, sondern eben auch genau sich anschaut, na warum habe ich dich denn ein Jahr

00:15:33: nicht getragen? Also so diese Frage, ich habe dich einladenlang nicht getragen, wäre für mich eher

00:15:38: ein Einstieg. Und von da weg würde ich weiter fragen. Wie kann man denn damit seine eigenen

00:15:43: Nostalgie umgehen? Weil gerade an Kleidungsstücken hänge ich oft ganz extrem, auch wenn ich sie

00:15:49: vielleicht seit fünf Jahren nicht getragen habe. Gibt es da einen Trick, wie man die trotzdem

00:15:55: besser loslassen kann? Also gut, das erste wäre auch, da würde ich mal fragen, was sind denn das

00:16:00: für Erinnerungen? Sind das schöne, gute Erinnerungen? Also ich gebe meinen Kundinnen und Kunden mit

00:16:06: einer Erinnerung, wenn man die anschaut, dann sollte einem das Herz aufgehen und zwar nichts weniger.

00:16:11: Also da sollte man wirklich richtig was davon haben, emotional. Das wäre mal das ein. Ich würde

00:16:17: wetten, dass dann da schon einiges gehen darf. Es gibt ganz schöne Möglichkeiten solchen Sachen,

00:16:24: vielleicht mal einen Alltagszweck zu geben. Es gibt die Möglichkeit, eine Decke rausnähen zu

00:16:30: lassen. Also wenn man jetzt selber nicht handwerklich besonders leidenschaftlich dabei ist oder eine

00:16:36: Tasche. Also es gibt ganz schöne Möglichkeiten, diesen Dingen nochmal einen Alltagszweck zu geben,

00:16:42: wo man dann das Teil auch tatsächlich täglich oder mehrmals wöchentlich in der Hand hat und

00:16:48: sich dann wirklich drüber freut und nicht nur quasi, wenn der Ordnungscoach halt mal so fällig

00:16:53: vorbeikommt. Oder ich finde es auch irgendwie immer tröstlich, wenn es mit dem anderen eine Freude

00:16:57: macht, wenn man es weiter gibt an eine Freundin. Ich glaube und das ist eine Sicherheit, die ich

00:17:02: meinen Kundinnen und Kunden auch gerne mitgebe. Die Erinnerungen, die bleiben auch wenn man den

00:17:09: Anker dazu nicht hat bzw. man kann sich auch überlegen, habe ich denn vielleicht noch einen

00:17:14: anderen Anker für diese Erinnerung? Und jetzt ist ja ein häufiges Thema in der Stadt. Die

00:17:20: Wohnungen werden kleiner. Manche haben nicht mal mehr in den Abstellraum. Im Keller ist auch

00:17:25: eher Chaos in den Abteilen. Erstens einmal ist es ein Problem für unsere Ordnung, wenn die Wohnungen

00:17:29: kleiner werden. Und zweitens gibt es irgendeinen einfachen Trick, wie man sich ein bisschen Stauraum

00:17:33: schaffen kann. Also zur ersten Frage wäre meine jetzt sehr ehrliche Antwort. Das Problem für die

00:17:42: Unordnung sind nicht die Quadratmeter oder der kleiner werdende Wohnraum, sondern dass die Sachen,

00:17:47: die wir da reinstopfen wollen, zu viel sind. Also das heißt, wir haben alle die Möglichkeit das zu

00:17:54: gestalten. Für viele von uns bedeutet es halt Verzicht. Verzicht ist nicht besonders angenehm und

00:18:00: nicht besonders schön. Aber man kann natürlich versuchen den Blick so langsam pö-a-pö darauf zu

00:18:06: lenken. Ich gebe was her, aber natürlich bekomme ich was dafür. Wie man Stauraum schafft, also die

00:18:12: Begrenzungen sind da. Wer eine Altbau-Wohnung hat, hat Glück. Der kann halt nach oben vielleicht auf

00:18:18: die Kleiderschränke was tun, aber so wirklich Stauraum schaffen. Ich bin kein Fan davon, jeden

00:18:24: Zentimeter auszunutzen, weil das meistens dazu führt, dass das Wegräumen so umständlich wird.

00:18:30: Und das ist für viele so ein Knackpunkt. Es gibt aber ja mittlerweile auch diese Lagerräume,

00:18:35: die man sich mieten kann. Ich habe das vorher eigentlich nur aus "Storage Wars", diesen US-Shows,

00:18:41: gekannt. Aber mittlerweile sieht man bei uns ständig Werbung dafür. Ist denn das eine gute

00:18:46: Alternative, wenn man sogar keinen Stauraum hat und sich doch von einigen Dingen einfach nicht

00:18:51: trennen will? Ich würde das so aus der Ferne und jetzt für alle allgemeingültig gar nicht

00:18:57: beantworten. Wenn man sich vorher gut mit seinem Besitz auseinandergesetzt hat und wirklich eine

00:19:04: gründliche Bestandsaufnahme gemacht hat von allem und dann bleibt was übrig, dann würde ich sagen,

00:19:09: ja, dann kann das eine gute Alternative sein. Aber ohne sich vorher wirklich mal mit allem gut

00:19:15: auseinandergesetzt zu haben, ist es nur eine Verlagerung und ich weiß es und das bestätigen

00:19:20: mir auch alle meine Kundinnen und Kunden, die zum Beispiel ein Dachboden oder ein Keller haben,

00:19:25: die sagen dann, na ja, ich trage es trotzdem mental mit mir rum. Es ist zwar nicht sichtbar,

00:19:31: aber ich weiß ja trotzdem, dauernd eigentlich müsste ich mal und das ist auch eine Belastung.

00:19:36: Aber um jetzt da vielleicht noch mal zu dem Zusammenziehbeispiel zurückzukommen,

00:19:40: angenommen ich sie mit meinem Partner oder meiner Partnerin zusammen und habe aber natürlich doch

00:19:46: immer so ein bisschen dieses Szenario im Hinterkopf. Man könnte sich ja wieder trennen. Ist es

00:19:50: vielleicht eine Möglichkeit, sich da ein bisschen Sicherheit zu geben, dass ich dann vielleicht

00:19:55: mein Bett, das ich noch nicht so lange habe oder auch meine Waschmaschine erst einmal für gewisse

00:20:00: Zeit einlagere und mir anschauen, ob es wirklich funktioniert und mich im Fall erst dann davon

00:20:05: trenne. Das darf man natürlich machen. Ich würde vielleicht empfehlen, dass man sich dann so ein

00:20:11: bisschen so eine Deadline auch setzt, wo man sagt, okay, ich habe das jetzt als Back-up für,

00:20:16: keine Ahnung, ein Jahr und dann kümmere ich mich nochmal drum, dann schaue ich nochmal drüber.

00:20:21: Aber es ist natürlich ein bisschen ein komisches, gedankliches Konstrukt, wenn man sich überlegt,

00:20:27: na ja, wer weiß, wie lang es hält, aber da kann ich niemandem einen Rat geben. Also ich bin keine

00:20:33: Parttherapeuten. Das ist nur meine pessimistische Deckweise. Was mich sehr beschäftigt, ist,

00:20:39: sie haben gesagt, Dachboden und Keller, das hängt dann wie so ein Damokless-Schwert über einem.

00:20:43: Ich bin in der glücklichen Lage, keinen Dachboden und keinen Keller zu besitzen, aber ich habe so

00:20:47: eine Lade, in der alles landet, was keinen Platz hat und sie hängt wie ein Damokless-Schwert über

00:20:52: mir, weil ich sie mittlerweile nicht mehr öffnen kann und weil ich bemerke, dass ich weitere

00:20:56: Laden beginne, mit Zeug zu füllen. Was soll ich tun? Wie bekommt man sowas unter Kontrolle?

00:21:01: Also Kramlade auf jeden Fall. Man braucht irgendeinen Ort, wo die Dinge, die jetzt nicht zu

00:21:08: irgendeiner Kategorie gehören, reinkommen. Absolut. Aber eben das Wichtige ist,

00:21:14: eine meiner goldenen Regeln, eine meiner goldenen Ordnungsregeln, sich eine Begränzung überlegen,

00:21:20: eine sinnvolle und die nicht ausweiten. Das heißt eben in dem Fall nicht die zweite Kramlade aufmachen,

00:21:26: sondern dann heißt es, sich jetzt einfach mal die Sachen anschauen, alles rausnehmen, gut

00:21:32: ausbreiten und sich einfach mal die Zeit nehmen und genau die Spreu vom Weizen trennen.

00:21:38: Und funktioniert es so? Also Sie sitzen dann mit Ihren Kundinnen und Kunden auch wirklich am

00:21:43: Fußboden und da ist alles ausgebreitet und Sie schauen sich alles an?

00:21:47: Wir schauen uns alles an. Also es gibt, das ist sozusagen auch eine meiner Hauptaufgaben,

00:21:52: dass ich dafür sorge, dass wirklich jedes Stück die Aufmerksamkeit bekommt, die es braucht,

00:22:00: damit eine gute Entscheidung getroffen werden kann und niemand ausweicht. Und mir sind die

00:22:08: Gummiringer nicht zu blöd, mir sind die Reißwecken nicht zu blöd, mir sind die Kabelstücke nicht

00:22:13: zu blöd. Wir schauen uns alles an. Was ist denn so der beste Ordnungstipp, den Sie unseren

00:22:19: Hörerinnen und Hörern noch mitgeben würden? Genau. Also wenn es dann jetzt so weit ist,

00:22:24: dass man jetzt die Voraussetzungen hat, um eine Ordnung leicht erhalten zu können,

00:22:30: das ist jetzt auch eine Binsenweisheit und ich bin sicher alle, die Zuhören haben es auch schon

00:22:35: mal gehört oder die allermeisten, die Dinge nach Gebrauch sofort wegräumen. Weil sonst hat man am

00:22:41: Ende des Tages lauter kleine Chaos-Inseln. Ja genau, nicht beendete Tätigkeiten und dann irgendwann

00:22:50: kann es halt passieren, dass man sagt, jetzt quasi eh schon wurscht. Das ist ja meistens auch nur

00:22:56: eine Sache von, keine Ahnung, eine paar Sekunden oder ein paar Minuten. Also einfach das diszipliniert

00:23:04: machen und sich über das Ergebnis freuen. Das ist Input, Output, das ist es wirklich wert.

00:23:10: Jetzt habe ich irgendwie rausgehört, es geht bei der Ordnung in der Wohnung um viel viel viel mehr

00:23:15: als nur darum, dass quasi Platz auf den Kasteln ist und am Sofa alles frei ist. Was sind denn

00:23:22: so die großen Erfolgsgeschichten, die Sie haben? Also was ist denn im Leben auf einmal alles möglich,

00:23:26: wenn man irgendwie das daheim, das Chaos unter Kontrolle bekommt? Es ist Beziehung möglich,

00:23:32: weil man jemanden, den man gerade kennen gelernt hat, nach Hause einladen kann. Es ist möglich,

00:23:39: dass man als Part zusammenbleibt, weil plötzlich das Ordnungsthema nicht mehr das Konflikthema

00:23:46: Nummer eins ist. Es ist möglich, dass man Pläne in die Tat umsetzt, die man sich immer vorgenommen

00:23:53: hat, wenn ich die Ordnung erledigt habe, sei es eine Weiterbildung, sei es ein Jobwechsel. Also

00:23:59: das sind Dinge, die dann passieren können. Das klingt nach einer großartigen Motivation jetzt

00:24:05: sofort mal die Kiste rauszuholen und so richtig auszusortieren. Übrigens, wem das noch nicht

00:24:11: genug Ordnungsthipps waren, unser Kollege Martin Schauhuber hat auch schon einmal eine

00:24:16: Besserlebenfolge rund um das Thema Ordnung schaffen gemacht. Die kann man sich extrem gut beim

00:24:21: Aussortieren anhören. Und wenn ihr weitere Tipps habt, wie ihr daheim Ordnung geschafft habt,

00:24:28: irgendwelche Hacks, bitte gerne an uns. Ein besser Leben ist der Standardpunkt AT. Wir freuen uns

00:24:33: auch über weitere Themenvorschläge, über fünf Sternebewertungen auf allen gängigen Podcast-Plattformen

00:24:38: und wenn ihr uns weiter empfehlt. Frau Misere, vielen Dank für den Besuch bei unserem Studio. Sehr

00:24:43: gerne, danke schön. Das war Besserleben. Ich bin Franziska Zoodl. Ich bin Antonia Arbeiter-Raut

00:24:48: und produziert wurde diese Folge von Christoph Neuwert. Papa und ciao!