Besser leben

Besser leben

Der STANDARD-Podcast zum Glücklichwerden

Transkript

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00:00:06: Freizeitstress halte ich für ähnlich schwachsinnig wie dem Griffwerk Life Balance.

00:00:10: Dann ist vielleicht das Promihaus der Stars auf RTL II

00:00:13: nicht so den optimalen Ausgleich.

00:00:20: Willkommen zu besser leben, der Standard-Podcast zum Glücklichwerden.

00:00:23: Ich bin Franziska Zoodl

00:00:25: und ich bin Antonia Raut.

00:00:26: Und wir reden heute über ein Thema, über das wir gefühlt eh immer reden.

00:00:30: Nein,

00:00:31: was denn Sport?

00:00:33: Außerhalbweise geht es nicht um Sport, es geht nicht um Schlaf, sondern es geht um den Stress und wie man damit umgehen kann und wann man merkt, dass es zu viel ist.

00:00:39: Und dafür haben wir uns einen echten Experten eingeladen.

00:00:43: Das ist Volker Busch.

00:00:43: Er ist Hirnforscher, Autor und Leiter der Stressambulanz am Universitätsklinikum Regensburg.

00:00:50: Zuletzt ist von ihm das Buch Gute Nacht Gehirn erschienen.

00:00:53: Und mit ihm reden wir heute über den Stress.

00:00:56: Herzlich willkommen, Volker Busch.

00:01:00: Stress ist in unserem Podcast ein großes Thema.

00:01:03: Auch in ihrem Podcast gehören gehört natürlich.

00:01:06: Alle Welt ist gefühlt gestresst.

00:01:08: Wir versuchen alle verzweifelt, das zu vermeiden.

00:01:11: Wie schlecht ist denn Stress wirklich für uns?

00:01:13: Also zunächst mal muss ich es ganz provokativ formulieren, dass Stress so schlecht gar nicht ist wie sein Ruf.

00:01:21: Stress ist zunächst mal etwas sehr Neutrales und heißt übersetzt so viel wie Anpassungsdruck.

00:01:27: Also unser Gehirn erkennt, da ist eine Challenge, eine Herausforderung.

00:01:30: Da müssen wir irgendwie hochkommen, aus dem Puschen kommen, um die Situation zu bewältigen.

00:01:36: Und deswegen setzt es eine ganze Reihe an Veränderungen in Gang.

00:01:39: Beispielsweise die Durchblutung der Herzschlag, der Blutdruck, bestimmte Hormone, um dieser Situation hubhaft zu werden.

00:01:47: Also um den Kampf zu gewinnen, eine Erkrankung zu bewältigen oder ein Ziel zu erreichen.

00:01:51: Das ist Anpassungsdruck, was sehr Neutral ist.

00:01:55: Manchmal kann Stress natürlich pathologisch sein, wenn er bestimmte Kriterien erfüllt, aber in vielen Fällen ist er auch sehr gesund, weil er uns eben ermöglicht, uns anpassen zu können und das Ziel zu erreichen.

00:02:06: Und dieser letzte Teil der Diskussion, der Gerät heute ganz stark ins Hintertreffen, weil wir Stress ausschließlich negativ betrachten und ihn unfassbar pathologisieren.

00:02:19: Und dabei gerät in Vergessenheit, dass er uns in vielen Situationen des Lebens auch wahnsinnig hilft.

00:02:25: Aber warum ist es denn so?

00:02:26: Also warum wird Stress gerade so verteufelt?

00:02:29: Das ist eine sehr gute Frage.

00:02:30: Ich habe schon sehr viel darüber nachgedacht.

00:02:32: Ich glaube, wir Ärzte sind selber ein bisschen mitschuldig.

00:02:34: Ich fasse mich jetzt mal hier an der eigene Nase.

00:02:36: Das können unsere Podcasts zuhören und zuhörer jetzt nicht sehen.

00:02:39: Aber ich mache es.

00:02:41: Weil wir, glaube ich, selber auch ein bisschen schuld sind daran, dass wir in den Medien, in der Presse und durch Ärzte und Therapeuten diesen Begriff ganz, ganz stark zu einseitig betrachtet haben.

00:02:52: Und das führt jetzt dazu, dass alle Angst haben vor Stress und ihnen auf Teufel kommen raus, umgehen möchten.

00:02:59: Und es gibt heute erste Studien, die zeigen, dass die Angst vor dem Stress heute größer ist als der Stress selber.

00:03:06: Also es gibt gar keine zwingenden Hinweise dafür tatsächlich, dass der Stress in der Arbeit zum Beispiel signifikant in allen Branchen zugenommen hat.

00:03:16: Das hat er in bestimmten Bereichen ohne jeden Zweifel, aber nicht flächendeckend.

00:03:20: Denn viele Arbeitsbedingungen haben sich verbessert in den modernen Industrienationen, zu denen auch Österreich und Deutschland gehört.

00:03:28: Das heißt, durch den Arbeiterschutz sind viel mehr Maßnahmen auf die Straße gebracht worden von Essen, Pausenregelungen, Urlaubsregelungen, Kündigungsschutz und so weiter.

00:03:38: Dies den Menschen heute eher leichter macht, den Job auszuführen, ohne darunter zu leiden.

00:03:44: Und trotzdem ist die Angst vor Stress so groß wie noch nie.

00:03:47: Also, wir haben eigentlich eine weitestgehende Entkopplung von objektiven Lebensbedingungen.

00:03:53: und einer subjektiven Furcht davor.

00:03:56: Das ist gar nicht so sehr meine Behauptung, sondern ist sehr, sehr gut wissenschaftlich gezeigt.

00:03:59: Und da liegt ein Problem.

00:04:00: Und deswegen müssen wir unbedingt aufpassen, dass wir einerseits Menschen vor echtem gefährlichen Stress schützen, der natürlich kann der Pathologe sein, der sprechen wir auch bestimmt gleich noch darüber, aber dass wir auch die Erzählung nicht so einseitig werden lassen und aus lauter Angst vor Stress die Menschen ins Nichtstun oder ins Wenigertun bringen, denn es geht ihnen damit nicht besser.

00:04:23: Es gibt eine große Arbeit von der Duke University, die an über ein tausend Probanden gezeigt hat, die sie über, ich glaube, vier Jahre in die Zukunft verfolgt haben.

00:04:33: Diejenigen, die Stress aus lauter Angst immer aus dem Weg gegangen sind, die wurden am empfänglichsten für die Folgen von Stress.

00:04:43: Also wer den Dingen immer aus dem Weg geht, der trainiert ihn halt auch einfach nicht.

00:04:48: Und dadurch wird man letztlich viel vulnerabler, als wenn man immer mal wieder Stresssituation aufsucht, die durchaus auch anstrengend erschöpft sind, aber dadurch auch so ein bisschen stärker wird.

00:04:58: Auch das gehört zur Wahrheit.

00:05:00: Aber jetzt hören wir ja auch ganz viele von psychischen Problemen, Burnouts, ganz vielen körperlichen Folgen von Stress.

00:05:06: Wie passt das dann zusammen?

00:05:08: Das passt sehr gut zusammen, denn natürlich gibt es die Kehrseite von Stress.

00:05:12: Wir müssen uns vorstellen, dass der Mensch anders als ein Tier die Situation bewertet, kognitiv.

00:05:18: Das heißt, wie wir die Belastungen, die auf uns einwirken, bewerten, entscheidet darüber, wie wir darauf reagieren und wie wir ihn empfinden.

00:05:26: Früher hat man mal die Begriffe Eu-Stress und Dis-Stress-Verwendet, also einfach auch gesagt.

00:05:30: guter und schlechter Stress, das macht man nicht mehr, das ist obsolät veraltet.

00:05:34: Aber im Ansatz ist es nicht ganz falsch, nach wie vor, wenn wir sehr viel hektik und anstrengend und positiv bewerten, weil wir uns darauf freuen, weil es uns erfüllt, dann leiden wir natürlich weniger, als wenn wir es innerlich ablehnen.

00:05:49: Das liegt glaube ich in der Natur der Sache, kennt jeder aus seiner Erfahrung.

00:05:52: Also die Bewertung spielt eine Rolle und dann spielt natürlich auch eine Rolle, wie viel und häufig Stress stattfindet bzw.

00:05:59: wie Gut wir uns selbst pflegen in Phasen danach.

00:06:03: Also für den Umgang mit Stress ist das auch das wissen wir aufgrund moderner wissenschaftlicher Arbeiten sehr gut gar nicht so entscheidend wie anstrengend das Leben ist, sondern wie oft wir und wie gut wir es schaffen am Feierabend für uns zu sorgen.

00:06:16: Also einfach ausgerückt, wir können uns richtig ins Zeug legen und dann auch völlig kaputt nach Hause kommen, aber wenn wir uns dann was Gutes tun.

00:06:23: dann leiden wir weniger drunter und wir werden auch mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit krank.

00:06:27: Also um eure Frage in einem Satz zu beantworten, entscheidend ist die Bewertung, die Dauer, die Häufigkeit und die Intensität von Stress und wie gut wir uns danach pflegen.

00:06:37: Und wenn wir diese Form von selbst für Sorge, sagt man, gut betreiben, dann macht Stress auch so schnell nicht krank.

00:06:44: Was ich da ja ein super Beispiel für so positiv bewerteten Stress finde, ist so eine

00:06:49: Verliebtheitsphase,

00:06:50: wenn man gerade jemanden neu kennenlernt.

00:06:52: Sehr schön.

00:06:52: Dann hat man ja auch, dann ist es auf einmal kein Herz rassen, sondern Herz klopfen.

00:06:56: Und man freut sich über diesen Ausnahmezustand, in dem der Körper ja offensichtlich ist.

00:07:01: Man vergisst zu essen, man vergisst zu schlafen.

00:07:04: Und das ist im Endeffekt die selbe Reaktion, wie wenn ich ein total forderndes Projekt habe in der Arbeit vielleicht.

00:07:10: Und gleichzeitig muss man ja auch sagen, niemand wird, glaube ich, für immer frisch verliebt sein wollen, weil es ja dann doch auch irgendwann anstrengend werden würde.

00:07:18: Ja, das ist ein schönes Beispiel, genauso ist es.

00:07:20: Das Herz schlägt immer auf die gleiche Weise zu schnell.

00:07:23: Und trotzdem bewerten wir es einmal negativ und einmal positiv.

00:07:26: Und das ist eben diese Unfährnis, die wir dieser Diskussion an Heim fallen lassen.

00:07:30: Da müssen wir ebbel aufpassen.

00:07:32: Kein Mensch würde bei Verliebtheit von einem krankhaltwertigen Zustand sprechen.

00:07:37: Und trotzdem ist der Körper psychophysologischen Aufruhr.

00:07:40: Das gilt für viele andere Dinge auch.

00:07:41: Die unsere Bewertung spielt eine große Rolle für das, was da passiert.

00:07:45: Jetzt sind sie aber auch in einer Stressambulanz tätig und ich glaube, da werden wahrscheinlich nicht so oft frisch verliebte Menschen aufschlagen, sondern eher Menschen, die andere Formen von Stress erleben.

00:07:56: Oder was sind denn das für Leute, die da zu ihnen kommen?

00:07:59: Also in der Tat kommen die meisten mit Stress, weil sie in der Arbeit empfinden.

00:08:04: Das ist so die häufigste Form von Stress, in Form von Überforderung.

00:08:08: Überlastung wegen Hektik und Nervosität, Zeitdruck, das sind so die Klassiker.

00:08:13: Aber es kommen natürlich auch Menschen wegen sozialen Stressfolgen, dass sie im Team Konflikt haben oder eher Probleme.

00:08:20: Also auch das kann natürlich Stress machen.

00:08:22: Und es kommen Menschen mit Rollenkonflikten, die kommen, weil sie ihren verschiedenen Aufgaben nicht mehr gerecht werden können.

00:08:27: Eine alleinerziehende Mama, die ihre Kinder liebt, für sie da sein möchte, aber gleichzeitig auch im Job.

00:08:33: Gas geben möchte oder ein Papa, der seine Rolle nicht richtig findet, entweder Vater zu sein oder sozusagen mehrere Tage unter der Woche auf Reisen sein zu müssen für den Job.

00:08:44: Das sind so Rollenkonflikte.

00:08:46: bei Männern und Frauen.

00:08:47: Also auch das kann Stress machen.

00:08:49: Das sind so Dinge, die ich sehe.

00:08:51: Und hier ist überall die Bewertung eine negative, kann man auch verstehen.

00:08:53: Das ist ja auch belasten und nicht schön.

00:08:55: Da muss man Menschen die Hand reichen, kann man auch.

00:08:58: Aber auch hier muss man immer wieder sich Mühe geben, den Menschen Mut zu machen, dass die Angst vor dem Stress oft größer ist als die Folgen von Stress.

00:09:06: Wirklich pathologisch ist er nur, wenn er ganz lange anhält.

00:09:09: Wenn Menschen also das über Monate hinweg durchziehen, so diese Form von Belastung, dann muss man sie ein bisschen schützen.

00:09:15: Aber jeder Körper kann zwei, drei, vier Wochen diese Form von Stress aushalten.

00:09:20: Also, dass wir mal beruflich über längere Tage ein Projekt verfolgen, was uns alle Kräfte raubt, macht uns noch nicht krank.

00:09:28: Und dass wir mal ein Konflikt haben und uns streiten und die Fetzen fliegen und über Tagen der Haussägen schief hängt, macht uns auch noch nicht krank.

00:09:37: Insofern also auch hier appelliere ich immer dazu zu sagen, okay, all das gehört zum menschlichen Leben dazu.

00:09:43: Das macht uns aus.

00:09:44: Es ist eben nicht immer alles Friedefreude, Eierkuchen, sondern es hängt auch mal etwas schief und wir können das ohne gleich daran zu sterben.

00:09:52: Sie sagen ja, der Körper braucht Stress, um sich anzupassen.

00:09:55: Das heißt, wie geht man das denn an?

00:09:57: Oder was raten Sie denn den Patientinnen und Patienten, die dazu Ihnen kommen?

00:10:01: Also das allerwichtigste ist Aufklärung, weil wir natürlich heute aufgrund dieser einseitigen Erzählungen in ein stark gefärbtes Bild von Stress haben und das Internet trägt auch leider nicht dazu bei.

00:10:11: Da waren wir uns ja auch schon einig, das ist in eurem schönen Land genauso wie bei uns.

00:10:14: Niemand schreibt positive Berichte über Stress auf Social Media, sondern man sieht immer nur die leidenden Personen, die es ja auch gibt.

00:10:21: Wie gesagt, ich will das nicht kleinreden, es gibt natürlich.

00:10:24: die Kehrseite von Stress.

00:10:25: Aber die Darbietung, die Präsentation ist so einseitig, dass sie die Diskussion entsprechend dominiert und in der Wahrnehmung von Menschen dazu führt, dass sie die andere Seite nicht mehr sehen.

00:10:36: Also Aufklärung ist das ganz Wichtiges.

00:10:38: Und auch das kann ich beweisen.

00:10:39: Da gibt es eine ganz tolle Arbeit, wer es mir über die Zimmermädchen-Studie kennt.

00:10:42: wurde so betittelt, hat man Hotelpersonal, allerdings Frauen und Männer.

00:10:47: Es waren nur mehr Frauen, deswegen ging es dann als Zimmermädchen irgendwie in die Presse ein.

00:10:51: Untersucht und festgestellt, dass die häufig unter Stress leiden.

00:10:55: Und ebenfalls festgestellt, dass es gar nicht unbedingt die Tätigkeit ist.

00:10:58: Die Arbeitsbedingungen waren nämlich gar nicht alle mies, sondern die Befürchtung war es.

00:11:02: Sie waren schlecht aufgeklärt und hatten Sorge, dass das viele Treppenstreiken sie krank macht, dass die Herzkreislaufbelastung zu hoch sei und so weiter.

00:11:09: Und dann hat man sie aufgeklärt.

00:11:10: Über Stress hat so ein paar Dinge besprochen, die wir jetzt auch hier besprechen, noch viel, viel mehr und hat geguckt, wie sich das auswirkt.

00:11:16: Und wenn man andere Informationen über Stress bekam und gleichzeitig auch gute Ratschläge, wie man sich pflegen konnte, dann ließ der Stress plötzlich nach.

00:11:24: Das heißt, die Folgen für Blutdruck, für den Metabolismus, also für den Zuckerstoffwechsel, all das beruhigte sich, normalisierte sich, obwohl die Arbeit die gleiche blieb.

00:11:32: Nach wie vor, die machten alle ja keine Arbeit, die weniger.

00:11:36: Aber jetzt anders aus einer anderen Perspektive auf diese Thematik zu gucken und ihn von einer anderen Seite zu sehen, bedeutete sofort eine andere Bewertung und damit auch eine andere psychophysiologische Reaktion.

00:11:49: Und das zeigt, wie wichtig das ist.

00:11:53: gibt natürlich Belastungen, die einfach zu viel des Stress sind.

00:11:58: Ja, absolut.

00:11:59: Das kann man dann auch nicht mehr durch eine andere Betrachtungsweise verändern.

00:12:04: Kann man

00:12:04: nicht.

00:12:04: Woran merke ich denn, dass es eben nicht meine Sichtweise drauf ist, sondern eben wirklich einfach zu viel und zu stressig.

00:12:12: Also Stress wird dann pathologisch, wenn zwei Dinge erfüllt sind, entweder es chronisch anhaltend, Wenn man von Daily Hazzles in dem angloamerikanischen Sprachgebrauch, also drei, vier, sechs Monate anhaltende Belastungen in dem Freundeskreis im Team auf der Arbeit, oder einmalig, aber so akut.

00:12:32: Das ist einem die Beine wegzieht.

00:12:33: Kriegserfahrung, Vergewaltigung, Terroriet weder Art.

00:12:37: Auch das sind aus neurobiologischer Sicht Stressfaktoren.

00:12:40: Die können so schlimm sein für Menschen, obwohl sie nur einmal stattfinden, dass der Mensch sich davon eventuell sogar gar nicht mehr erholt.

00:12:48: Also sehr akut und stark oder chronisch anhalten.

00:12:52: Das sind die zwei Faktoren, die man im Kopf haben muss.

00:12:55: Und wenn das für einen Menschen zutrifft, dann reicht Education alleine nicht aus, völlig richtig.

00:13:01: Dann brauchen Menschen Hilfe.

00:13:02: Und dann beginnt eine regelrechte Stresstherapie.

00:13:06: Sie lernen, die Dinge zu bewältigen, Emotionen zu versöhnen.

00:13:09: Es gibt Problemlöse, Fertigkeiten, die man trainiert.

00:13:12: Man gibt den Alltagshilfe.

00:13:14: Man fördert das soziale Netz, das sie stützt.

00:13:16: Es gibt den vielen gute Ratschläger, Empfehlungen an die Hand, wie sie ihre Probleme lösen können.

00:13:21: Bis hin auch zur Regulation von Schlaf, Ernährung, also um den Körper auch als Organismus fitter und resilienter zu machen.

00:13:29: Darüber könnten wir einen ganzen Tag reden.

00:13:31: Die Maßnahme ist ein riesiger Blumstrauß an Dingen.

00:13:34: Das kann man ambulant machen.

00:13:36: Meistens gelingt das.

00:13:37: Manchmal, wenn Menschen ganz, ganz stark krank werden unter Stress, dann muss es auch stationär geschehen.

00:13:43: Chronischer Stress verbinden ja viele Leute auch wieder sehr mit dem Arbeitsplatz.

00:13:47: ihrer Erfahrung nach, wie oft klappt es denn, dass man quasi selbst resilienter wird und strenger grenzend zieht?

00:13:54: und wann bleibt nur die Kündigung, wenn man sagt, dieser Job ist eigentlich nicht machbar, wenn man gesund bleiben will?

00:14:00: Ja, das ist eine sehr schöne Frage.

00:14:03: sehr schwer zu beantworten, weil man sich den individuellen Fall oder diesen Menschen anschauen muss.

00:14:08: In der Regel versuchen wir grundsätzlich immer erst mal den Arbeitsplatz zu erhalten, auch übrigens die Beziehung oder die Ehe, weil wir sehen, dass ein schneller Wechsel dieser Dinge oft auch weitere Probleme mit sich bringt.

00:14:21: Aber trotzdem kann es den Punkt geben, wo es kein weiter so existieren darf und dann muss man manchmal auch Menschen helfen, eben eine neue Tür aufzustoßen im Leben.

00:14:31: Ja, woran man das merken kann, das ist ganz schwer.

00:14:33: Also im Prinzip bleiben wir da in einem mehrwöchigen psychotherapeutischen Verhältnis und wenn sich zeigt, dass alle Bemühungen, die man gelernt hat, auf der Arbeit zur Ruhe zu kommen, Leistung zu bringen, aber trotzdem auch gut für sich zu sorgen, wenn die nicht fruchten oder wenn eine Beziehung trotzdem nicht gelingt, weil der andere sich nicht beteiligt am Retten der Partnerschaft, dann kann das irgendwann natürlich auch, bevor man komplett vor die Hunde geht und darunter leidet, auch ein Hinweis dafür sein, okay, du musst jetzt hier das Gleis wechseln.

00:15:04: Aber das ist ein Entwicklungsprozess, da gibt es kein Zeichen, kein körperlichen Messwert, den man erheben kann oder ein klares Signal aus der Psyche, das man sagt, sondern das ist sehr individuell.

00:15:14: Bei Frauen, ich sage es mal so, wird das nicht aushaltbare Leid oft auch zu einem körperlichen Leid.

00:15:20: Also noch stärker als bei Männern leiden Frauen dann irgendwann, wenn es wirklich nicht mehr geht, auch körperlich, unfassbar.

00:15:26: Reizdarmsyndrom, Verringerung der sexuellen Lust, Schmerzen an Körpergliedern überall.

00:15:33: Das haben Männer auch, aber bei Frauen somatisiert.

00:15:37: das deutlich schneller und stärker.

00:15:39: Und das kann dann auch wirklich ein untrückliches Zeichen sein, dass man sagt, lass uns da hinschauen.

00:15:44: Da stimmt was nicht.

00:15:44: Vielleicht musst du doch profunde was am Leben ändern.

00:15:47: Und bei Männern muss man sagen, ich muss sehr vorsichtig sein hier.

00:15:51: So fortpauschalen muss man sich hüten.

00:15:53: Menschen sind unterschiedlich.

00:15:54: Aber wenn wir so große Populationen vergleichen, ist es unterschiedlich.

00:15:57: Bei Männern ist es tatsächlich oft so, dass die Anfang mit Sucht verhalten.

00:16:01: viel stärker als Frauen, fangen an zu trinken zum Beispiel.

00:16:04: Oder auch Glücksspiele, ziehen sich zurück und spielen nur noch Video oder so.

00:16:09: Also sie machen das anders aus.

00:16:11: Bei Frauen somatisiert das, bei Männern zeigt sich das auf der Verhaltenseben oft.

00:16:15: Und auch das kann ein Zeichen sein, dass man sagt, okay, hier reichen einfache Stresstechniken nicht mehr aus, hier musst du vielleicht wirklich was verändern.

00:16:22: Anderer Job, vielleicht auch eine andere Partnerin.

00:16:25: Das kann daher manchmal auch das Ergebnis eines Auseinandersetzungsprozesses mit sich selbst sein.

00:16:31: Wir haben da bis jetzt eher über auch Stresssituationen gesprochen, die man sich nicht unbedingt aussuchen kann.

00:16:36: Also Job in einer Beziehung spielt auch immer eine andere Person mit rein, die man halt zum Glück auch nicht steuern kann.

00:16:42: Jetzt gibt es aber ja auch den Freizeitstress, sag ich mal.

00:16:45: Also wenn man dann eben nach der Arbeit noch zum Pilates, dann noch auf ein Drink mit der Freundin und danach dann vielleicht noch vierzig Seiten lesen will für das Self-Improvement.

00:16:56: Wie viel unter Anführungszeichen Freizeitstress tut uns den Gut ist auch irgendwie aktivierend und anregend.

00:17:03: Und wo sollte man eher mal einen Cut machen und sagen, langweilig doch mal wieder?

00:17:08: Also ich finde, das sind ganz, ganz schönen Aspekte, den du da ansprichst und zeigt, wie wichtig das ist, wo wir heute reden.

00:17:15: Aber es ist halt... wie ein klassisches Beispiel dafür, dass wir hier einen Begriff zweckentfremden.

00:17:20: Denn im Begriff Freizeitstress halte ich für ähnlich schwachsinnig wie dem Begriff Work-Life Balance.

00:17:25: Wir benutzen ihn alle und es ist auch in Ordnung und es ist super, dass du ihn erwähntest, weil wir nutzen ihn hier in Deutschland auch ständig.

00:17:31: Aber eigentlich ist er ein Schwachsinn, denn dafür ist er nicht gemacht.

00:17:34: Freizeitstress ist ein Neologismus, die Erfindung eines Wortes in der Neuzeit, einer Gesellschaft, der es eigentlich viel zu gut geht.

00:17:41: Wenn Menschen das große Glück haben, nach der Arbeit in ein Fitnessstudio gehen zu dürfen oder zum Klettern danach ins Kino und vielleicht abends noch in eine Bar zu gehen mit Freunden gemeinsam zu lachen, dann ist ein großes Geschenk des Lebens.

00:17:54: Es ist ein Zeichen eines erfüllten Lebens, nicht von Freizeitstress.

00:18:00: Weil wir diesen Begriff so inflationär verwenden.

00:18:03: Und weil es für uns heute schon Stress ist, wenn wir bei Amazon die falsche Hose bestellt haben und zurück schicken müssen.

00:18:08: Ja, aber es ist ja so, für alles wo es ein bisschen dicht wird, nutzen wir den Begriff Stress.

00:18:13: Genau deswegen kommt es zu diesen Missverständnissen.

00:18:16: Oh Gott, ich werde doch hoffentlich nicht krank.

00:18:18: Was für ein Quatsch.

00:18:19: Niemand wird krank, der abends zwei, drei Beschäftigungen nachgeht, die am Freude machen.

00:18:25: Sie erfüllen ein.

00:18:26: Und wenn es trotzdem zu viel werden sollte.

00:18:30: Du hast eben den Aspekt Langeweile angesprochen.

00:18:33: Das Gefühl, du kommst überhaupt nicht mehr zur Ruhe.

00:18:34: Dann signalisiert einem das der Körper schon.

00:18:36: Das ist aber noch kein Zeichen von kranker, sondern ein Signal.

00:18:39: kommt zur Ruhe.

00:18:40: Man merkt das vielleicht am nächsten Tag, dass man müde ist, vielleicht ein bisschen unleidlich, nicht mehr so verdräglich.

00:18:48: Das können Zeichen sein wie, oh, jetzt am nächsten Tag waren Erfüllter Mittwoch, aber jetzt am Donnerstag schonst du dich ein bisschen.

00:18:54: Und das ist schon alles.

00:18:55: Wir müssen nicht diese Pathologisierung von Begrifflichkeiten verwenden, wir helfen den Menschen damit nicht, sondern wir erhöhen eigentlich nur die Angst vor etwas, dass sie im nächsten Schritt dann um jeden Preis zu vermeiden suchen.

00:19:09: Mit der Folge, die ich eingangs schon sagte, Menschen werden nicht stark, sondern gehen Belastungen immer mehr aus dem Weg.

00:19:15: Sie bauen einen riesigen Popanz auf, um den Begriff Stress und denken, oh Gott, oh Gott, oh Gott, nicht, dass ich krank werde.

00:19:20: Und das Gegenteil passiert, sie werden eigentlich immer empfindlicher.

00:19:24: Es gibt heute eine Untersuchung.

00:19:26: die gezeigt hat, dass wenn Menschen immer wieder im Leben, und ich meine hier nicht nur das klar zu machen, Expresseswerbes, schlimme Gewalterfahrung, schlimmen Terror, den muss man natürlich immer aus dem Weg gehen, wenn man das kann.

00:19:38: Das ist doch gar keine Frage.

00:19:40: Aber kleine banale Belastungen im Alltag, eine sehr anstrengende Arbeit, ein Lernen unter Prüfungsdruck, eine Freizeit, die ein fordert und sei es nur der Sport, sind sogenannte Stressimpfungen.

00:19:54: Das heißt, es sind wie bei einer echten Impfung, auseinandersetzungen mit der Welt in kleinen wohl dosierten Mengen, die ein letztlich stärker machen im Leben.

00:20:04: Und wenn wir diesen Dingen immer aus dem Weg gehen, aus lauter Angst, werden wir schlechter.

00:20:09: Das ist genau das Gleiche, wie wir eine junge Mama, ihrem Kind oder ein junger Papa, immer die Hände abwischt, sobald es irgendwas anfasst, damit es bloß nicht krank wird.

00:20:16: Es macht das Kind nicht stärker in der Auseinandersetzung mit Viren und Bakterien.

00:20:21: Ganz im Gegenteil, das Immunsystem wird schlechter.

00:20:23: Es braucht die Auseinandersetzung immer wieder mit Krankheitserregern.

00:20:27: Das ist genau wie bei einer Impfung.

00:20:28: Ich impfe mich mit abgeschwächten Krankheitserregern, damit mein Immunsystem stark wird, wenn es mit einer ganzen Ladung echter Krankheitserreger in Kontakt kommen sollte.

00:20:37: Und genauso ist es beim Stress auch.

00:20:39: Stress nicht aus dem Weg gehen, sondern immer wieder im Alltag in kleinen Dosen wohlgemerkt, aufsuchen, nicht Angst davor haben, denn das macht uns eigentlich stark.

00:20:48: Ein bisschen auch wie beim Sport, wo man ja auch so ein kleines bisschen über die Grenze gehen soll, dass man dann eben den Fitnesslevel erhöhen kann.

00:20:55: Exakt so ist es.

00:20:56: Und wie beim Sport finde ich auch sehr spannend die Regeneration dann am Abend.

00:21:01: Ja, die ist ganz wichtig.

00:21:02: Haben Sie... Da noch einen Tipp, weil jetzt sitzen wir dann zu Hause vor dem Fernseher und schauen wieder nur aufs Handy.

00:21:07: Ich vermute mal, das ist nicht die ideale Abendbeschäftigung nach einem stressigen Tag.

00:21:13: Ach, es kann auch mal schön sein, geben wir es doch zu.

00:21:17: Nichts gegen eine spannende Serie bei Netflix oder Buch immer auch.

00:21:20: Das kann natürlich sehr wohl und beitragen.

00:21:21: Aber ich verstehe natürlich, was du meinst und das völlig recht, das darf nicht zu einseitig sein.

00:21:26: Also was ich empfehle und ich mache das somit mit meinen Patienten, ich male ein Kuchen mit fünf Kuchenstücken.

00:21:31: Jeder dieser Kuchenstücke hat einen Namen und die nenne ich jetzt mal.

00:21:35: Zusammen ist das der Kuchen der Selbstversorge und von denen sollte man jeden Tag kosten und zwar am besten von jedem Stück.

00:21:41: Es wird vielleicht dem Alltag nicht immer gelingen, aber man sollte dafür sorgen, dass über ein längerer Zeitraum wie Wochen, Monaten von diesen Kuchen, von jedem Kuchenstück ein bisschen was gegessen wird.

00:21:50: Dann bleiben wir stabil.

00:21:52: Also Selbstversorge teilt sich in folgende fünf Kuchenstücke erstens Körper.

00:21:55: Der Mensch braucht körperlich einen Ausgleich.

00:21:57: Wenn wir ganz Tag sitzen, ich weiß nicht, wie viele Stunden ihr sitzt, also ich sitze hier über acht Stunden am Tag, Therapie macht man immer noch sitzend, dann brauch ich den körperlichen Ausgleich.

00:22:06: Zweites Kuchenstück ist Emotion.

00:22:09: Wir brauchen Zeit für Gefühle.

00:22:11: Wenn ein Mensch die ganze Zeit vor Excel-Tabellen sitzt, acht Stunden und muss Nüchtern Zahlenwerte eingeben oder Formeln programmieren, dann braucht er einfach irgendwie Comedy, Freude, vielleicht sogar Streit.

00:22:21: Auch das kann man gut tun, damit man sich wieder spürt.

00:22:23: Emotions, was ganz wichtig ist.

00:22:25: Drittes Kuchenstück ist... Soziale Kontakte, wir brauchen Menschen.

00:22:29: Auch das ist eigentlich banal, weiß jeder.

00:22:31: Deswegen sind gerade Menschen, die im Job vereinsamen und keinen Kontakt zu anderen haben, die brauchen dann auch immer wieder raus und das Menschen sehen.

00:22:40: Irgendwunderschöne Form der Erholung kann dann sein, dass man sich abends trifft zum Billard spielen oder, weiß ich nicht, zusammen um die Häuser zieht, was auch immer.

00:22:48: Das ist dann kein Freizeitstress, sondern Ausgleich.

00:22:51: Viertes Kuchenstück ist Geist.

00:22:54: Wir sind geistig gewesen, wir brauchen irgendwas Anspruchsvolles.

00:22:58: Wenn wir die ganze Zeit irgendwie nur stupide, irgendwie dummes Zeug am Schreibtisch gemacht haben, dann müssen wir vielleicht abends ein gutes Buch lesen.

00:23:06: Dann ist vielleicht das Promihaus der Stars auf RTL II nicht so den optimalen Ausgleich.

00:23:11: Aber emotional

00:23:12: kann das auch gut.

00:23:13: Es holt einen schon sehr

00:23:14: ab.

00:23:16: Ja, genau.

00:23:17: Das ist sehr gut, was du sagst.

00:23:18: Ganz genau.

00:23:19: Vielleicht kann das gut tun, weil du da vielleicht lachst, was du vorher nicht konntest.

00:23:22: Also musst du mal genau gucken, in welches Kuchenstück das jetzt gehört.

00:23:26: Oder es kann auch genau umgekehrt sein, dass wir... anstrengend intellektuell geistig gefordert waren und da müssen wir uns abends einfach beriesen lassen durch irgendeine blöde Spielshow.

00:23:36: Also ich will nur sagen, der Ausgleich, wir brauchen immer was für den Geist tagsüber.

00:23:39: Das ist bei mir zum Beispiel ein ganz wichtiges Kuchenstück bei mir.

00:23:42: Ich brauche immer so ein bisschen die Fortbildung.

00:23:44: Ich muss dann irgendwie das Gefühl haben, ich lerne noch was dazu.

00:23:47: Für mich ist das sehr wichtig.

00:23:48: Ja und das fünfte Kuchenstück ist so ein bisschen Spiritualität und Natur.

00:23:52: in die Welt, Erden, in der Natur, so vergeistigen, abschalten, vielleicht auch spirituelle, esoterische Erfahrungen machen, das Kuchenstück ist bei manchen nur sehr klein.

00:24:03: Aber auch diese Kuchenstücke haben wir.

00:24:05: Auch der religiöse Glaube gehört dazu, dieses Transcendentale, das Vergeistigte.

00:24:10: Also, ich könnte dazu wie zu sagen, abschließend bleibt das Menschen, die selbst für Sorge betreiben und sich was Gutes tun und gucken, ob sie Am Ende eines Tages, zumindest auch von paar Kuchenstücken noch was kosten, die sie ausmachen, leben gesünder und dann macht den Stress auch nichts aus.

00:24:28: Wer aber umgekehrt ein total leichtes Leben hat und sich nie bemühen muss, er hat keinen Stress, aber er hat gleichzeitig auch keine gute Selbstversorgung.

00:24:38: Der ist auch nicht gesünder.

00:24:40: Jetzt habe ich soweit, glaube ich, verstanden, dass Stress reduzieren oder eben nicht reduzieren.

00:24:45: total umfänglich ist und eigentlich alle Lebensbereiche betrifft, dass es da keine schnellen Lösungen gibt.

00:24:51: Trotzdem fragen wir uns natürlich immer ob's denn so was wie einen Live-Hack gibt, den sie Menschen mitgeben wollen, die immer von sich pauschal sagen, ich bin so gestresst, ich bin so gestresst.

00:25:02: Gibt's da irgendwas Kleines?

00:25:04: Ja, natürlich, da gibt es viele Hacks, wie man es in der Tat heute so schön sagt.

00:25:08: Also, was ich zum Beispiel selber auch für mich nutze, ist, dass ich morgens, bevor ich in den Tag starte, mir sehr genau zwei Fragen beantwortet.

00:25:17: Die erste Frage lautet, was wird heute deine volle Konzentration haben müssen?

00:25:23: Was verdient deine Aufmerksamkeit?

00:25:25: Also, technisch gesagt, was hat Brio, eins, zwei oder drei?

00:25:30: Das hilft mir deswegen.

00:25:31: Weil ich beobachte, dass ich mich anschließend am Schreibtisch nicht befluten lasse mit irgendeinem kleinen Scheiß, sagt man so Saloppverzeihung.

00:25:38: Mit irgendwelchen banalen Nebensächlichkeiten, Aufhalte und dabei den Blick für das Wesentliche verliere.

00:25:43: Diese Fokusfrage verhindert das.

00:25:45: Was wird heute wichtig?

00:25:46: Es hilft einfach so eine Klarheit, so eine Ordnung zu bekommen und sie nicht zu verzetteln mit irgendeinem Kram, der er nur auffällt und er den ganzen Tag auffüllt.

00:25:55: Und die zweite Frage, das klingt jetzt lustig, aber ich meine es ganz ernst, das nutzt sich wirklich auch für mich.

00:26:00: In der gleichen Zeit, in der gleichen Phase des Tages, ganz früh morgens, frage ich mich, was lässt du heute mal ganz bewusst weg?

00:26:07: Also worauf verzichtest du?

00:26:10: Einfach damit ein Freiraum entsteht, wie immer ich den auch nutze.

00:26:14: Meist.

00:26:14: gibt sich dann schon wieder irgendwas, was in der Zeit stattfindet.

00:26:17: Aber bewusst, man zopf abschneiden, von dem man denkt, das müsste unbedingt sein.

00:26:22: Denn wir machen heute den Fehler, dass wir immer das Gefühl haben, das muss sein und jenes muss sein und es wird dann zur Gewohnheit und wir hinterfragen das irgendwann gar nicht mehr.

00:26:29: Und dabei trägst gar nicht zum gelingenden Leben bei uns, er freut nicht unser Herz und notwendig ist es auch nicht immer.

00:26:35: Und diese Frage sich ehrlich und selbstkritisch zu stellen, worauf verzichte ich heute.

00:26:39: Ganz bewusst.

00:26:40: Auch wenn das weh tut, niemand verzichtet ja gerne.

00:26:43: Aber das gibt eine wahnsinnige Freiheit, könnt ihr euch das vorstellen?

00:26:45: Weil einfach ein Freiraum entsteht, plötzlich ist Luft da und das ist sehr angenehm, weil man das wirklich füllen kann mit etwas, was einem dann total Spaß macht.

00:26:54: Diese zwei Fragen, das wäre ein schöner Lifehack und dauert nur fünf Minuten.

00:26:57: Aber man muss ehrlich sein und muss dann auch konsequent handeln danach.

00:27:01: Ich lerne gerade so viel Neues, ich bin total sprachlos.

00:27:04: Was mich jetzt auch interessieren wird, eine total persönliche Frage vielleicht zum Abschluss.

00:27:08: Diese Angst vor dem Stress, das holt mich total ab.

00:27:10: Also für mich ist es so, und ich glaube auch bei vielen anderen Menschen, dass man sich gerade am Jahresanfang denkt, jener Februar, boah, das wird so eine stressige Zeit, das, das, das liegt vor mir, boah, es wird so furchtbar.

00:27:21: Wenn ich das kurz sagen darf, einfach, dass man momentan deutlich wird, dass die Leute nicht falsch verstehen, dass ich Stress nur gut rede.

00:27:26: Stress hat natürlich pathologische Konsequenzen, aber die Moderatorvariable ist die Angst.

00:27:31: Da gibt es fantastische Untersuchungen, ich versuche das ganz kurz zusammenzufassen.

00:27:35: Die haben Menschen untersucht, die Stress hatten durch Arbeitsprozesse, Verdichtung von Abläufen im Alltag und Menschen damit verglichen, die die gleichen stressigen Arbeitsläufer hatten, aber extrem Angst davor hatten, dass daraus irgendwas Schlimmes entstünde.

00:27:52: Also Herz entfagt durch Blutungsstörungen, Diabetes, Übergewicht und so weiter.

00:27:57: Und sie zeigten, dass tatsächlich nur diejenigen ein höheres Risiko hatten für die Gesundheit, die Angst vor Stress hatten.

00:28:04: Also nicht der Stress, die Belastung, die Anspannung war das Pathologische in gewissen Grenzen, sondern die Angst davor.

00:28:12: Und deswegen müssen wir darüber reden.

00:28:14: Das war eigentlich schon die Antwort.

00:28:15: Also das heißt besser... einen Schritt nach den anderen setzen und nicht so das große Ganze und weit in die Zukunft zu sehen, was vielleicht ist, aber vielleicht auch gar nicht sein wird.

00:28:25: Genau, richtig.

00:28:26: Und wenn man Angst vor Belastung hat, überlegen, warum ist das eigentlich so, mit jemandem darüber sprechen?

00:28:31: Auch deswegen die Education, die Aufklärung.

00:28:33: Oft kann man nämlich vielleicht die Anspannung im Leben nicht immer lösen, wenn man Kinder hat, wenn man einen Job hat, wenn die Eltern herausfordernd sind, die man pflegen muss.

00:28:43: Das sind ja Dinge, die gehören zum Leben dazu.

00:28:45: Aber vielleicht können wir Strategien entwickeln, die Angst davor zu nehmen und uns Mut machen.

00:28:51: Strategien aufzeigen, wie wir das schaffen, bewältigen, dann entsteht nämlich aus der Angstaufbruchsstimmung und Kraft.

00:28:57: Und dann leiden wir auch unter Stress weniger.

00:28:59: Das ist eine Aufgabe, die ich als Psychiater habe.

00:29:01: Deswegen hab ich auch diesen Podcast bei Gehirn gehört.

00:29:04: Da versuche ich, über solche Dinge zu reden.

00:29:05: Und Menschen in all ihren Formen, die Belastungen haben, denen es nicht gut geht, einfach Mut zu machen.

00:29:10: Und zu zeigen, dass der Mensch eigentlich viel stärker ist, als er glaubt.

00:29:13: Wenn wir uns nicht selber immer so diese Schwäche einreden, das ist mir ganz wichtig, um da die Hand zu missen zu reichen.

00:29:19: Ich nehm mir mit, wenn wir uns das nächste Mal vorjahmen, wie stressig wir es haben, sagen wir, hab dich nicht so, du schaffst es schon.

00:29:25: Wir schaffen Aufbruchstimmung.

00:29:27: Ja, etwas empathischer kann es ja sein.

00:29:31: Es wäre gut, wenn man das zumindest mitdenken würde,

00:29:33: ja.

00:29:34: Perfekt.

00:29:34: Vielen Dank, Volker Busch, für den Besuch bei uns.

00:29:37: Es war mir eine Freude.

00:29:38: Ich glaube, wir haben viel mitgenommen.

00:29:40: Wir werden in Zukunft vielleicht anders über Stress reden hier in diesem Podcast.

00:29:44: Das wäre schön, zumindest beidseitiger.

00:29:46: Das wäre

00:29:47: toll.

00:29:48: Wenn ihr noch Eindrücke habt, Stresserfahrungen, die ihr neu denken wollt, schreibt es uns gerne in die Kommentare oder auch an besserleben.net, der Standard.at.

00:29:57: Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann freuen wir uns natürlich auch immer über fünf Sterne-Bewertungen.

00:30:02: Das war Besser Leben, der Standard-Podcast zum Glücklichwerden.

00:30:05: Ich bin Franziska Zödel,

00:30:06: ich bin Antonia Raut und produziert wurde diese Folge von Christoph Neuwetz.