Der STANDARD-Podcast zum Glücklichwerden
00:00:06: Warum
00:00:06: sind wir denn als Gesellschaft so auf der Psinnsuche und warum finden wir ihn so oft nicht?
00:00:10: Haben Sie auch
00:00:11: einfach besonders schwer, einen sinnigen
00:00:13: Leben zu fliegen.
00:00:14: Und das ist schon recht kritisch!
00:00:20: Willkommen zur Besser-Leben des Standard Podcasts zum Glücklichwerden.
00:00:23: Ich bin Martin Schohuber
00:00:25: ich bin Franziska Zödel
00:00:26: und wir haben heute eine Folge auf die mich wirklich so sehr gefreut hat wird schon lange nicht mehr.
00:00:31: Es geht heute um ein ganz großes Thema.
00:00:33: Wir sprechen heute über Lebenssinn und erklären würde uns den hoffentlich.
00:00:37: Tatiana schnell Sie ist Psychologin und Sinnforscherin, hat die Online-Plattform Sinnmacher mitgegründet.
00:00:43: Tatjana Schnell ist gebürtiger Deutscher, hat aber lange Zeit auch an der Uni Innsbruck geforscht und gelehrt.
00:00:48: Und seit Jahrzehnt zwanzig hält sie die Professur für existenzielle Psychologie an der MF Specialized University in Oslo.
00:00:55: So!
00:00:56: Frau Schnell, danke, dass Sie sich für uns Zeit nehmen.
00:00:58: Ja, schön, dass ich da sein darf – hallo!
00:01:01: Lebenssinn ist jetzt einmal ein sehr großes Wort für einen Podcast, der versucht nicht länger als dreißig Minuten zu werden Auch wenn wir uns die Option einer Doppelfolge ja explizit offen lassen diesmal, aber so einfach wie möglich ausgedrückt.
00:01:13: Was ist denn Lebenssinn überhaupt?
00:01:15: Also als Psychologin und empirische Forscherin breche ich das Ganze herunter in mehrere Dimensionen – und das macht es ziemlich schwer, das leicht auszudrücken!
00:01:25: Aber wenn wir es ganz einfach sagen wollen dann ist ein sinnvolles Leben eines wo ich mehr vom leben möchte einfach als nur zu überleben.
00:01:35: Ich möchte, dass dieses Leben für mich lebenswert ist und dass ich einen Grund darin sehe, warum ich dieses Leben gerne führe.
00:01:45: Eine große Frage in einigen Worten beantwortet?
00:01:48: Ich bin beeindruckt!
00:01:50: Finden wir diesen Sinn oder erzeugen wir ihn?
00:01:53: Was wir sehen wenn wir diese Prozesse anschauen und sehen wie er sich in der Forschung zeigt es tatsächlich eher ein Prozess Ding, das sich finden lässt.
00:02:04: Dann ist es etwas, dass auf ganz vielen Ebenen in unserem Leben stattfindet.
00:02:08: Wir konstruieren eigentlich ständig Sinn.
00:02:10: also jetzt im Moment wenn wir etwas hören dann sind das Schallwellen die auf unsere Ohren treffen und dann werden sie übersetzt in neurochemische Signale, die in bestimmte Gehirnareale weitergeleitet werden.
00:02:21: dort ist bereits etwas vorhanden an Erfahrung, an Wissen.
00:02:25: Wir haben Erwartungen was wir hier hören und dann schreiben wir dem Sinn zu oder nicht?
00:02:30: Das ist kein Sinn der da direkt reinkommt in unseren Kopf, quasi.
00:02:35: Sondern das sind Konstruktionsprozesse und das kann man nachvollziehen auf ganz komplexen Ebenen also über Handlungen und Ziele.
00:02:43: bis zur Frage ist mein Leben sinnvoll?
00:02:46: Das ist eine Zuschreibung die wir machen.
00:02:49: Ist diese Sinnfrage in jeder Lebensphase gleich wichtig?
00:02:53: Also wir sehen dass Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen mehr oder weniger Schwierigkeiten haben Sinn zu finden.
00:03:01: Und wir kommen sicher auch noch darauf zu sprechen, dass es auch damit zu tun hat in welcher Art von Zeit und Gesellschaft wir leben.
00:03:09: aber wenn wir jetzt die Gegenwart anschauen dann sehen wir das gerade vor allem jüngere Menschen sehr damit Kämpfen sind zu finden.
00:03:18: also über ein Viertel der achtzehn bis neunundzwanzig Jährigen in unseren Untersuchungen gibt an, dass sie ihr Leben als Lehr erleben, dass Sie nicht wissen wo sie hinwollen, wo sie hingehören und sie erleben sich.
00:03:32: Und ihr Leben nicht als bedeutsam!
00:03:34: Das ist schon recht kritisch und das ändert sich deutlich mit dem Alter.
00:03:38: Also was mir jetzt gerade auch eingefallen wäre so die Midlife Crisis, die ja auch eine klassischere Sinnkrise ist... Ich weiß nicht ob es die empirisch gesehen überhaupt gibt aber zumindest populär wissenschaftlich
00:03:49: glaube ich.
00:03:51: Ja also Es gibt die Midlife Crisis, das ist auch ein nachvollziehbares Phänomen.
00:03:57: Wenn man sich anschaut was passiert wenn Menschen irgendwann realisieren dass sie sterblich sind und wir versuchen das ja so lange wie möglich von uns fernzuhalten und häufig geschieht das in der Mitte des Lebens und dann fangen Menschen an nochmal neu auf das zu schauen was sie getan haben und wie es weitergeht.
00:04:14: aber was da jetzt anders ist inzwischen Krise sich nach vorn verschoben hat.
00:04:19: Wir sehen inzwischen häufig eine Quarter-Life Crisis,
00:04:22: d.h.,
00:04:22: dass bereits jüngere Menschen zu Ende zwanzig anfangen, sich zu fragen okay jetzt habe ich eine Ausbildung oder ein Studium hab vielleicht auch schon wo reingeschnuppert und weiß was Arbeit bedeutet.
00:04:33: aber kann das Leben sein?
00:04:36: Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen das bis zum meinem Lebensende so weiterzuführen und das führt dann auch schon zu Krisen.
00:04:43: von daher kann man sagen es gibt eher Anlässe für Krisen als bestimmter Alter.
00:04:49: Jetzt könnte man ja sagen, wir sind eine Gesellschaft in der Krise.
00:04:52: sie haben sich schon angedeutet viele junge Menschen sagen irgendwie es ist so bedeutungslos Sie sehen keinen Sinn.
00:04:58: was ist denn eigentlich passiert?
00:05:00: warum sind wir denn aus gesellschafts auf der Sinsuche und warum finden wir ihn so oft nicht?
00:05:05: Ja das ist auch ne ganz große Frage.
00:05:07: ich hoffe ich darf hier ein bisschen ausholen Als ich angefangen habe zu froschen, das war zu Beginn des Jahrtausends.
00:05:15: Da war es tatsächlich noch keine große Frage.
00:05:17: Da hab' ich oft solche Reaktionen gehört wie ist das für ein komisches Thema?
00:05:21: Das interessiert doch niemanden und die Sinnfrage war weder laut noch groß Und das hat sich deutlich verändert in der letzten Zeit In den letzten zehn Jahren ungefähr oder fünfzehn Und das geht einher mit einer Wahrnehmung, dass wir eben auch sehr viel mehr Krisen ausgesetzt sind.
00:05:41: Auch globaler Art – das ist einerseits ein Thema, das uns quasi näher kommt und das es schwieriger macht die Sinnfrage einfach unberührt zu lassen.
00:05:52: aber das Ganze hat noch viele grundlegende Ursachen würde ich soweit zurückgehen wie zur Aufklärung, weil wir eben in unserem Kulturkreis uns vorgenommen haben.
00:06:04: Wir wollen unser Verstandes bedienen!
00:06:07: Wir möchten nicht einfach nur vorgegebenen Plänen oder Lebenswegen folgen oder Ideologien oder Annahmen sondern selber denken.
00:06:19: das wurde dann mit der Industrialisierung noch mal viel deutlicher was das bedeutet als Menschen dann aus ihren Bezügen gefallen sind, auch sozialen und natürlichen.
00:06:29: Da hat man gesehen dass ganz viele in Städte gezogen sind, dass sie da an ihre religiöse Einbindung verloren haben die Anbindung an Natürliche Zyklen weil plötzlich mit Licht und Factories Fabriken Arbeit ständig möglich war Und das war eine ganz andere Art von Leben.
00:06:45: Plötzlich Und damit und mit der Entwicklung von Technik und Wissenschaft haben wir ganz viel Individualisierung gewonnen.
00:06:52: Und Freiheit, aber wir haben uns auch eben eingehandelt dass wir mit dieser Freiheit umgehen müssen.
00:06:58: Das ist eine Schwierigkeit denn das bedeutet wenn ich die Wahl habe wie ich mein Leben lebe dann bin ich auch dafür verantwortlich wie ich es lebe.
00:07:07: Und das ist eine ganz schöne Zumutung und wir sind nicht unbedingt so gut geübt darin.
00:07:14: Also quasi Du im Mittelalter lebst und der Pfarrer sagt einem, du sollst jetzt bitte deinen Feld pflegen.
00:07:21: Und für die allgemeinheit quasi damit sorgen dann hat das quasi gereicht an Sinnfrage.
00:07:26: Jetzt stehen wir halt ein bisschen allein im Regen da!
00:07:29: Das hat wahrscheinlich das Wissen des Bauern selbst schon bestimmt, wann er sein Feld flügt und nicht der Pfarrer.
00:07:36: Aber ich glaube wir müssen da gar nicht bis ins Mittelalter zurückgehen.
00:07:39: also das war noch vor einigen Generationen auch bei uns so dass das relativ selbstverständlich war was anstand was zu tun ist.
00:07:46: und diese Selbstverständlichkeit die ist uns abhanden gekommen wenn wir eben nicht mehr... Also es gab das noch teilweise in eher ländlichen Regionen wo Menschen näher mit der Natur zusammen leben eben auch noch gar nicht so lange her.
00:08:00: Jetzt gibt es also viele Fragen, die man irgendwie für sich selbst beantworten muss.
00:08:04: im Leben eine leichte Lösung dafür vermeintlich leicht ist.
00:08:07: ich such mir einen starken Mann der mir Dinge erklärt, die kompliziert sind und Dinge für mich entscheidet.
00:08:13: Stichwort Donald Trump aber auch andere Politiker.
00:08:16: hat das miteinander zu tun?
00:08:18: Also diese Sinnsuche und das Wahlverhalten?
00:08:22: Ja Da gehen wir davon aus und da gibt es inzwischen auch einige spannende Belege, die zeigen dass es sehr sinnstiftend ist wenn ich eine klare Vorgabe habe wo's hingeht.
00:08:35: Also wenn wir jetzt mal erst am Sinn definieren dann bedeutet das Sinn wird erlebt wenn Menschen die Erfahrungen machen dass sie eine Orientierung haben, dass sie die Erfahrung von Bedeutsamkeit machen, dass Sie dazugehören da passiert, zusammenpasst und stimmig ist.
00:08:55: Und das ist alles viel leichter wenn jemand ganz klar sagt hier geht's lang du bist auf der richtigen Seite die anderen sind falsch liegen falsch und dann musst du gar nicht viel hinterfragen sondern bekommst diese Orientierung.
00:09:07: die Kohärenz auf eine relativ leichte Art und Weise muss sie dir nicht erarbeiten wie es eher in offenen Gesellschaften und Demokratien der Fall ist.
00:09:15: von daher ist so wichtig dass wir uns dessen bewusst werden was wir für einen Wert haben mit unserer liberalen Demokratie.
00:09:23: und auch wenn es schwieriger ist diese Offenheit- und Amiguitätstoleranz zu bewahren, ist das doch etwas was uns unsere Freiheit ermöglicht?
00:09:32: Jetzt gibt es offenbar einen relativ weit verbreiteten Sinemangel.
00:09:36: Auch in unserer West- und Mitteläubäischen Gesellschaft.
00:09:39: jetzt aber es wird nicht so richtig thematisiert kommen mir vor.
00:09:42: ich glaube dass viele Leute sehr allein und vielleicht dem engsten Freundeskreis dann thematisieren.
00:09:46: Aber ich sehe jetzt nicht unbedingt so eine gesellschaftliche Debatte über Sinn, über Bedeutung.
00:09:51: Da wird maximal über Work-Life-Balance geredet.
00:09:53: Deutschland sagt der Kanzler, die Leute müssen wieder mehr Spaß haben am Arbeiten.
00:09:56: Das ist vielleicht schon mal ein Zentimeter in diese Richtung aber geht es auch nur um Bruttoinliens Produktsteigern.
00:10:01: Also ja muss man da vielleicht ein bisschen gesamtgesellschaftlich anschieben dass das einfach offener ein Thema werden kann, was man sich suchen
00:10:09: sucht?
00:10:09: Ja, das ist eine gute Beobachtung und es ist tatsächlich gar nicht so leicht über diese Themen zu sprechen.
00:10:15: Das habe ich auch gemerkt als ich angefangen habe dazu zu forschen und zu untersuchen was Menschen den Sinn gibt.
00:10:22: wir haben da wenig Zugriff drauf und wenig Wörter für.
00:10:26: Das ist etwas dass relativ eng mit unserer Persönlichkeit verknüpft ist mit unserer Weltanschauung und somit sich entwickelt im Laufe des Lebens einen Anlass dafür haben, bewusst darauf zu schauen.
00:10:39: Dann können wir überhaupt erst anfangen darüber auch zu sprechen und für viele ist es tatsächlich erstmal dieses Riesenthema wie Sie am Anfang auch gesagt haben.
00:10:49: Es ist ja viel zu groß und warum soll man sich damit beschäftigen?
00:10:52: Das ist ja abstrakt das hat mit dem Leben nicht viel zu tun.
00:10:55: und wenn man aber dann genauer hinschaut, dann merkt man dass eben diese Sinnfragen oder die Erfahrung von Sinnlosigkeit sich bis in ganz viele Lebensbereiche herunter widerspiegelt.
00:11:08: Also ich plädiere für existenzielle Sprachfähigkeit,
00:11:11: d.h.,
00:11:12: dass wir uns trauen diese großen Fragen anzusprechen und dann merken, dass sie eben ganz lebensnah sind.
00:11:20: also weil man zum Beispiel einfach mal die Nachbarin fragt denkst du eigentlich manchmal an den Tod?
00:11:25: Ach das ist ein ganz zentrales existenzielles Thema.
00:11:28: oder hast du eigentlich schon über den Sinn deines Lebens nachgedacht?
00:11:33: kennst du sowas, dass dir alles sinnlos erscheint?
00:11:36: Das sind Fragen die wir uns manchmal kaum zu Stellen trauen weil sie auch sehr persönlich sind.
00:11:42: Also ich habe auch Kollegen und Kolleginnen die sagen fragblos mich nie was mein Lebensinn ist.
00:11:46: da müsste ich gar nicht was sich sagen soll.
00:11:48: Da ist auch so etwas wie Scham mit verbunden und auch inzwischen, weil das Thema doch recht häufig in den Medien isst eine über Erwartung an den Sinn.
00:11:58: Das Sinn etwas ist fast wie Leistungsdruck, dass mein Leben jetzt sinnvoll sein muss und das es sich toll anfühlen muss oder dass ich den Sinn optimieren muss.
00:12:08: Und darum geht es eigentlich gar nicht bei einem sinnvollen Leben.
00:12:10: Es geht viel grundlegender darum was finde ich eigentlich wichtig und richtig?
00:12:15: Jetzt machen sie viele Menschen Gedanken darüber ob sie glücklich sind.
00:12:18: Ist man glücklich wenn man Sinn hat?
00:12:21: Ja, aber das ist eine ganz wichtige Unterscheidung.
00:12:24: Denn wenn man denkt dass Sinn ja was Gutes ist und dass er sich deshalb gut anfühlen sollte in jedem Fall dann findet man ihn nicht weil häufig wenn man vor Entscheidungen steht und die Wahl hat wähle ich jetzt etwas das sich gut anfült also angenehm oder tue ich das was ich jetzt eher richtig finde, dann ist das was für mich sinnvoll wichtig und richtig ist, braucht es häufig erstmal so eine Art Überwindung.
00:12:51: Also ein ganz banales Beispiel ich sollte vielleicht etwas mehr Sport machen, aber gerade zu gemütlich drehen und draußen ist es kalt bleibe ich lieber auf dem Sofa liegen.
00:13:01: Es ist angenehme und fühlt sich erst mal besser an auf dem SOFA liegen zu bleiben und es ist anstrengender mich aufzurappen um den Sport zu machen.
00:13:09: Allerdings, wenn ich das tue, dann fühle ich mich danach deutlich besser und längerfristig als wenn ich auf dem Sofa liegen bleibe.
00:13:18: Das heißt also Menschen die ihr Leben als sinnvoll erleben berichten deutlich mehr Zufriedenheit und auch Glück als diejenigen, die sagen für mich ist eigentlich Glück das Wichtigste.
00:13:30: Ich bin ja sehr glücklich, dass Sie Sportbeispiele bringen.
00:13:33: Normalerweise bin ich immer bekannt dafür, dass ich das bringe.
00:13:36: Also Martin du hörst?
00:13:37: Das ist schon bei der Sinnsuche auch wichtig, dass man Sport macht!
00:13:40: Wobei ich da einen Sprüngepost... also es gibt ganz viele unterschiedliche Wege zum Sinn.
00:13:45: Es ist halt so ein eingängiges Beispiel aber es ist nicht für alle das Gleiche.
00:13:49: sorry.
00:13:50: Kommt das da weil ... also ich habe von Ihnen jetzt schon noch so einiges gelesen und da ist ja auch immer wieder dieses Zukunftsgewandte Beim Thema Sinn vorgekommen ist quasi ein Sport kann einem dann auch Sinn geben.
00:14:01: Geht es da jetzt um die Erfahrung im Moment, um diese Erfahrung der Erschöpfung und der Anstrengungen?
00:14:06: Oder geht's da schon auch um dieses Peterwerden gesünder Altwerden in viel weiterer Folge oder beides?
00:14:13: Ja das hängt zusammen.
00:14:14: aber das Wichtige ist dass ich eben diese nachhaltige Perspektive mit dabei habe weil das ja die Antwort auf die Frage ist warum tue ich das überhaupt?
00:14:22: Und die Warumfrage ist ja die Sinnfrage.
00:14:25: und wenn ich nach Warumfrage, dann geht es nicht nur darum wie gut das sich im Moment anfühlt sondern es geht um die Konsequenzen.
00:14:33: Das muss nicht unbedingt viele Jahre in die Zukunft gedacht sein aber trotzdem verbindet diese Warumfrage doch den Moment mit den Konsekvenzen.
00:14:45: Und das ist, was eben Sinn erleben unterscheidet von so etwas wie Glückserfahrungen oder Achtsamkeit dem im Moment sein.
00:14:53: Dass ich diesen Moment einbette in mein Leben und wenn das sich gut anfühlt dann... ist das natürlich auch toll.
00:15:01: Und wir haben dazu eine Studie durchgeführt mit Experience Sampling, da haben wir Menschen eben Vöpfel am Tag genervt und gesagt sag mal oder gib ein was du gerade tust wie sinnvoll findest du das?
00:15:10: Wie angenehm?
00:15:11: Da hat sich gezeigt die Leute, die das Facitaten gerade sinnvoll fanden, die erlebten es auch deutlich angenehmer.
00:15:20: Das heißt also dieser Kick und das Auspauern und das gute Gefühl beim Sport ist stärker.
00:15:28: Wenn man weiß, warum man diesen Sport macht oder andersrum ist es leichter zu verstehen.
00:15:33: Wenn ich's nur tue weil ich denke ich muss oder weil ich unbedingt abnehmen will aber nicht weiß wie oder weil meine Freunde das alle machen dann ist auch das Erleben von Freude und Spaß an der Sache nicht so stark.
00:15:46: Aber ganz konkret jetzt Es ist ein sehr häufiges Thema Man will abnehmen Und eben man verliert den Nicht vorhandenen Sinn.
00:15:53: Das heißt, wie gibt man der Tätigkeit?
00:15:54: Wie dreht man es so, dass man dabei bleibt weil's einem doch Sinn gibt?
00:15:59: Also das Wichtigste ist da die Psychologie nennt das intrinsische oder extrinsische Motivation.
00:16:04: Wenn ich etwas tue um damit irgendetwas anderes zu erreichen dann bin ich extrinsisch motiviert.
00:16:10: wenn ich zum Beispiel Sport nur mache um abzunehmen Dann geht es mir nicht um den Sport, sondern um das Abnehmen.
00:16:17: Und da gibt es sehr viele Studien die zeigen wenn wir extrem motiviert sind dann haben wir wieder weniger Freude an der Tätigkeit und wir bleiben auch nicht so leicht dran.
00:16:28: Das heißt also ich sollte mir etwas suchen dass ich an sich gut finde und das zum Abnehmen beiträgt.
00:16:35: Und das heißt idealerweise einen Sport, der mir auch Spaß macht den ich um das Sports willen mache.
00:16:40: Zum Beispiel wenn ich Teamplayerin bin dann suche ich mir ein Mannschaftssport oder eben anders wenn es gerne allein macht zu Hause oder im Verein aber wichtig ist dass es um den Sport geht und nicht nur um das abnehmen.
00:16:54: Es ist jetzt ein bisschen reingeschummelt, aber ich habe in einem ihrer Artikel die sie in der Zeit publiziert haben etwas extrem Spannendes gefunden und ich wollte es irgendwie mit einer Brechstange auch in diesem Podcast reinkriegen.
00:17:04: Und zwar das Thema Narrative über das eigene Leben.
00:17:07: Sie schreiben da – ich gebe das sehr verkürzt wieder – dass wir uns alle eine Geschichte über uns selbst erzählen und dass die meistens recht widerholende Muster haben und dass wir diese Geschichte für echte Veränderungen auch einmal erkennen und gegebenenfalls austauschen müssten.
00:17:23: War das jetzt einigermaßen korrekt?
00:17:25: Und wenn ja, können Sie das noch ein bisschen genauer erklären.
00:17:27: Weil ich fand es wirklich an den extrem spannenden Gedanken, wenn ich ganz viele Leute hinter die Ohren schreiben wollte in dem Moment wo ich ihn gelesen habe inklusive mir selbst.
00:17:36: Schön!
00:17:37: Ja also das ist eine Erkenntnis der Narrativen Psychologie, die gezeigt hat dass wir Menschen uns besser verstehen, wenn wir uns als Geschichte erzählen weil unser Leben auch so am besten verstanden werden kann.
00:17:51: Wo komme ich her?
00:17:53: Was habe ich alles erlebt, wo glaube ich das es hingeht?
00:17:56: Das ist eine Geschichte.
00:17:58: Und einer der dazu sehr viel geforscht hat, Dan McAdams ein US-amerikanischer Forscher, hat sich hunderte solcher Geschichten angehört und hat festgestellt dass die eben tatsächlich so typische Muster aufweisen.
00:18:10: Das heißt ganz grob kann man sie einteilen in vier Entwicklungen entweder sowas wie... Also ich hatte einen Superstart ins Leben und das bleibt auch so.
00:18:20: Alles gut!
00:18:21: Oder früher, das war ganz gut.
00:18:23: Aber es wird ja immer alles schlechter und die älter man wird, desto schlimmer wird es und die Welt entwickelt sich immer nur zum Schlechteren.
00:18:31: oder ich habe nie einen Fuß auf dem Boden gekriegt Und das werde ich auch nie.
00:18:36: also Ich bin einfach in meinem Leben die geborene Verliererin oder er hat das schwer zu beginnen.
00:18:42: aber ich schaffe dass.
00:18:44: ich werde alle möglichen Hindernisse überwinden und letztendlich gut dastehen.
00:18:50: Und das Interessante ist es uns häufig gar nicht bewusst, dass wir so eine Erzählung eigentlich quasi verinnerlicht haben.
00:18:58: Aber sie prägt unsere Erwartungen und damit auch unser Verhalten und unsere Entscheidungen.
00:19:04: Deswegen ist es ganz interessant und gut sich diese Geschichte immer wieder mal zu
00:19:08: erzählen.".
00:19:09: Ich glaube der dritte Punkt wäre dann wahrscheinlich dieser Opferrollenperson die ihr ganzes Leben quasi als Opfer durchs Leben geht.
00:19:18: Dadurch, dass man dann die Realität ja sedektiv wahrnimmt wird die Realitäten ja auch oft dann zu sowas.
00:19:23: Ja genau weil ich das auch hervorrufe, dass ich mir zum Beispiel weniger zutraue, weil ich er weiß es wird sowieso nichts und dann versuche ich gar nicht erst und jemand anderes geht einfach los und probiert und hat dadurch die Chance, dass es auch funktioniert.
00:19:37: und ich habe die da nicht.
00:19:38: Danke für diese nächste Kurs, Franzi.
00:19:40: Ich wünsche dir viel Spaß, das jetzt wieder zum Thema Sinn zurückzubiegen!
00:19:42: Na ich bin ganz versunken darin in mir eine Geschichte über mich selbst abzurufen und erzähle lieber Geschichten über andere Menschen.
00:19:48: Also gibt es da irgendeine Übung die ich machen kann wie ich zu meiner eigenen Geschichte komme?
00:19:53: Ja das ist auch nicht so leicht.
00:19:55: aber es gibt dann eine gute Möglichkeit die auch schön spielerisch ist man stellt sich sein Leben als Buch vor oder wenn man eher visuell orientiert ist als Film und überlegt in welche Kapitel würde ich das denn einteilen?
00:20:11: Das kann man auch ganz gut aufzeichnen.
00:20:12: Einfach eine Linie, da ist meine Geburt und hier ist heute was ich mir an der Zukunft vorstelle.
00:20:19: Was für Kapitel gab es dann in meinem Leben?
00:20:21: und am besten nicht einfach nur so Kindergartenschule Ausbildung
00:20:25: usw.,
00:20:26: sondern sich trauen, ein bisschen kreativer zu werden.
00:20:29: Was ist denn da passiert?
00:20:30: und ja wie würde ich das benennen?
00:20:33: Und es gibt einen ersten spannenden Zugang dazu was überhaupt passiert ist wo es sogenannte Wendepunkte gab was besonders schöne Ereignisse waren was schlimme Eregnisse waren wie ich damit umgegangen bin und was dann da passiert ist.
00:20:50: Da erkennt man schon einige spannende persönliche Eigenarten, wenn man das mal aufmalt aufzeichnet und dann überlegt es zu betiteln.
00:21:00: Ich habe jetzt auch ein bisschen Gedanken über dieses Thema gemacht und habe ein bisschen einen Eindruck bekommen dass wir in Österreich – und das kennen Sie ja auch sehr gut dieses Land – besonders gechallengt sind beim Thema Sinn.
00:21:12: Ich hab so geschaut nach Japan da ist Ikigai so ein Thema Generell auch gefühlt jeder andere Kontinent hat viel mehr dieser sinnstiftenden Elemente in seinem gesellschaftlichen Leben, wie eben die Filme des Gemeinschaftszimmer zum Beispiel und sei es auch teilweise aus wirtschaftlichem Zwängen heraus aber ist dann trotzdem da.
00:21:29: Sind unsere Hörerinnen und Hörerte zu einem sehr großen Teil aus Österreich kommen?
00:21:34: Haben sie auch einfach besonders schwer einen Sinn im Leben zu
00:21:37: finden?
00:21:38: Simon als Österreicher nur du Österreicher!
00:21:41: Ja
00:21:42: Also ich sehe jetzt nicht den großen Unterschied zu Deutschland zum Beispiel.
00:21:47: Würde
00:21:47: ich da mit reinnehmen auch?
00:21:50: Also schon so dieses Zentral-Westeuropäische habe ich schon irgendwie das Gefühl, dass da irgendwie dieses Thema ganz besonders ja auch unthematisiert wird weil eben wie gesagt in Japan ist das Thema gehört das zum Leben dazu, dass man sich Gedanken macht was einem im Leben Sinn gibt.
00:22:04: bei uns wird man glaube ich wenn wir das jetzt nicht mit der allängsten Familie nur bespricht vielleicht schon auch einmal schief angeschaut.
00:22:10: dafür
00:22:11: Ja, das stimmt.
00:22:11: Und in Japan ist es so, dass da das Phänomen des Hikikomori auftritt, dass sie also sehr viele Menschen haben die sich in ihre Kinderzimmer zurückziehen und nicht mehr am Leben teilnehmen, weder in die Schule oder in die Ausbildung gehen noch an den Arbeitsplatz und dort bis ins hohe Erwachsenenalter teilweise sich eben nur noch aufhalten im Kinderzimmel und von den Eltern ernähren lassen Nicht mehr bereit sind, in dieser Gesellschaft mitzumischen.
00:22:39: Die alles davon abhängig macht, dass man möglichst wirtschaftlich erfolgreich ist und einen extrem hohen Leistungsdruck aufbaut.
00:22:48: Und das eben dazu führt, dass viele Menschen sagen dann gar nicht mehr.
00:22:52: also da ist es mir auch egal.
00:22:54: Dann ist das natürlich ein wichtiger Punkt zu fragen ja was hat das ganze Leben für einen Sinn wenn wir uns die Geschichte von Erfolg oder von gutem Leben so eng erzählen?
00:23:06: Und was bei uns anders ist oder sagen wir mal in Westeuropa, ist... Wir haben über lange Zeit so ein Narrativ gehabt nach dem Zweiten Weltkrieg.
00:23:17: Wir bauen das neu auf und es geht voran!
00:23:19: Wir haben ganz viel gute Erfahrungen gemacht, dass es wirtschaftlich immer besser ging, dass der Wohlstand dick, dass er als Gesellschaft ja also ganz gut gepasst hat Ist auch ein Grund dafür, warum man sich die Sinnfrage nicht unbedingt stellen muss.
00:23:36: Weil alles ganz gut läuft.
00:23:37: aber wir stellen sie uns inzwischen häufiger junge Leute lauter oder expliziter als ältere weil eben große Brüche auftreten.
00:23:48: zum Beispiel bei der Frage ist es offensichtlich dass der Klimawandel des Leben auf diesem Planeten verändern wird?
00:23:54: Warum passiert nicht mehr?
00:23:56: Die Zukunft steht auf dem Spiel und das kann Sinnkrisen hervorrufen, wenn man merkt ich bin völlig hilflos und niemand tut etwas.
00:24:04: Und irgendwie stimmt hier die Erkenntnis mit dem Handeln gar nicht überein.
00:24:09: also Ich sehe schon auch anhand der Zahlen das sich da etwas deutlich ändert Auch in Österreich in Deutschland.
00:24:16: Aber wir haben halt lange so diese Erfahrung gehabt.
00:24:20: es passt doch eigentlich alles und dann wird die sinnfolge auch Nicht lauter.
00:24:24: Viele große Fragen, die wir heute beantwortet haben.
00:24:27: Wir machen hier einen Cut und nächste Woche kommt der zweite Teil unseres Interviews mit Tatjana Schnell.
00:24:32: Wir werden darüber reden wie man ganz konkret zu einem Lebenssinn gibt?
00:24:35: Wie man erkennt dass man da am richtigen Dampfer ist und
00:24:39: wie man
00:24:40: für mich auch besonders wichtig Sinn in seinem Job findet.
00:24:43: ich bin sehr gespannt.
00:24:44: jetzt schon mal vielen Dank für den ersten Teil Tatjanaschnell.
00:24:49: Wenn ihr jetzt nach dem ersten Teil dieses Interviews schon Feedback habt für uns, wenn ihr Themen habt, wo ihr sagt, das ergibt sich eigentlich aus dem Gespräch gut.
00:24:57: Das müsstet ihr euch auch einmal anschauen.
00:24:58: Bitte schreibt zu seinen E-Mail am besserleben at der Standardpunkt.at.
00:25:02: Bitte keine Fragen mehr für den zweiten Teil, weil er wird im Anschluss gleich aufgenommen.
00:25:05: Dafür ist es so.
00:25:05: später aber, wenn gute Fragen sind reichen wir sie gerne nach!
00:25:08: Wir freuen uns über fünf Sternebewertungen und wenn ihr uns weiter empfehlt an andere die das eine oder andere Mal vielleicht ein bisschen einen Sinn suche in Leben haben.
00:25:16: Das war Besserleben, der Standard-Podcast zum Glücklichwerden.
00:25:19: Ich bin Franziska Zoidl.
00:25:21: Produziert wurde die Folge von Christoph Neuwert.
00:25:24: Ciao!