Besser leben

Besser leben

Der STANDARD-Podcast zum Glücklichwerden

Transkript

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00:00:06: Warum tut dieses Geben eigentlich

00:00:12: so gut?

00:00:41: Ganz kleine Gesten und Geschenke sind der soziale Kid, der unsere Gesellschaft zusammenhält.

00:00:46: Aber dazu dann später mehr!

00:00:48: Ja ich bin auf jeden Fall schon gespannt.

00:00:49: Ich bin jetzt ein großer Fan der Folge Und das sage ich nicht nur weil du mir zur Aufnahme einen Kaffee mitgenommen hast.

00:00:55: Danke übrigens Magdalena.

00:00:57: Ja

00:00:57: voll gerne!

00:00:58: Ich dachte mich setzt es doch direkt auch hier gleich um.

00:01:01: Heute ist nämlich quasi das Finale von meinem Selbstversuch Der seit früher läuft und bei dem ich mir vorgenommen habe im Alltag mehr herzuschenken.

00:01:08: Voll das schöne Experiment Hab ich so auch noch nie gehört und bietet sicher perfekt an für unseren Podcast.

00:01:15: Wie kam es eigentlich dazu?

00:01:16: Ja, Anlass dafür war tatsächlich ein Interview im Standard.

00:01:19: Meine Kollegin Pia Gruppenhauser hat im Frühjahr ein Interview mit Bettina Ludwig gemacht.

00:01:23: die ist Kultur- und Sozialanthropologin Und in der Kulturantropologie dreht sich ja für einfach gesagt alles um die Frage Warum machen Menschen eigentlich das was sie machen?

00:01:34: Und da geht es jetzt weniger um einzelne Individuen Sondern man schaut sich größere Menschengruppen und Völker und deren Dynamiken genauer an.

00:01:41: Was hat das jetzt genau mit meiner Melange zu tun?

00:01:44: Ich komme gleich dazu.

00:01:45: Jedenfalls hat sich Bettina Ludwig auf Jäger und Sammlergesellschaften als Forschungsschwerpunkt spezialisiert, konkret ein Volk in einer Savanne in Namibia.

00:01:54: Und sie sagt dass wir aus diesen Erkenntnissen enorm viel für unsere moderne Gesellschaft lernen können.

00:01:59: Bestes Beispiel dafür ist eines der bestimmenden Gesellschafts- und Gesundheitsthemen die Einsamkeit.

00:02:05: Ein WHO Bericht aus dem vergangenen Jahr hat ja gezeigt das weltweit jede sechste Person einsam is.

00:02:11: Das ist natürlich erstmal schlecht für die psychische Gesundheit des oder der Einzelnen.

00:02:15: Es kann sich in Folge auch auf die körperliche Gesundheit auswirken und vor allem auch gesellschaftliche Probleme nach Sicht

00:02:20: ziehen.".

00:02:21: von sozialer Isolation zu weniger gesellschaftlichem Zusammenhalt bis hin zur Anfälligkeit für populistische Bewegungen und Verschwörungserzählungen.

00:02:29: Von einsamen Menschen dieser Zusammenhang ist ja gut belegt, na gut ich schweife ab was ich sagen will.

00:02:34: in diesen Jäger- und Sammlergesellschaften wird Zugehörigkeit extrem stark gelebt und Bettina Ludwig beschreibt das so dass sie sagt die Angehörigen kommen dort auf die Welt und sie spüren wirklich vom aller ersten Tag an dass sie Teil von etwas größerem von einer Gemeinschaft sind.

00:02:49: Und genau dieses Gefühl fehlt in vielen westlichen Gesellschaften.

00:02:53: Dabei ist eben die Zugehörigkeit eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass Menschen sich gesund und verankert fühlen – und sie ist deshalb überzeugt wir Menschen sind für bedingungsloses Geben gemacht!

00:03:05: Das wollte Sie dann direkt auch selbst erfahren und spüren quasi und hat das Projekt Hundred Days of Giving gestartet.

00:03:11: Hundert Tage lang jeden Tag bewusst etwas geben Und sie sagt selbst, nach dieser Zeit ist sie regelrecht auf einer Wolke durchs Leben geschwebt.

00:03:19: Und diesen Gedanken fand ich total schön und dachte mir das probiere ich doch auch!

00:03:27: darauf geachtet, wie ich Menschen in meinem Umfeld eine kleine Freude machen kann.

00:03:31: Wenn ich mir einen Kaffee geholt habe, habe ich gerne die Person hinter mir in der Warteschlange noch eingeladen.

00:03:35: Die waren manchmal kurz irritiert aber haben sich am Ende total gefreut und sind wahrscheinlich genauso wie ich auch mit einem viel schöneren Gefühl aus dieser Kaffeepause rausgegangen.

00:03:45: Aber es muss auch überhaupt nichts Materielles sein.

00:03:47: Erst vor kurzem hatte ich einen voll schönen Moment bei einem Konzert, das war eigentlich ungeplant.

00:03:52: Ich wollte gerade auf die Bühne filmen und dann sind sich zwei Mädels direkt vor mir, grad irgendwie voll schön in den Armen gelegen Und haben getanzt und das Lied total gefühlt und sie sind mir quasi ins Video reingesprungen.

00:04:03: Dann habe ich spontan ein Foto gemacht von den beiden und hab ihnen das über Airdrop geschickt.

00:04:07: Die haben sich voll gefreut dass sie dann ein gemeinsames Foto und diese Erinnerung hatten.

00:04:11: Sehr nett.

00:04:12: Also manchmal ist einfach Aufmerksamkeit oder Zeit ein schönes Geschenk.

00:04:16: Einfach mal bei der älteren Nachbarin zuhören, bei der ich sonst eher versuche irgendwie unbemerkt vorbei zu huschen oder Komplimente verteilen – es muss wirklich nicht immer viel kosten!

00:04:26: Es muss nicht einmal besonders viel Zeit kosten, es dauert eigentlich ein paar Sekunden oft nur.

00:04:31: und was ich auch total gern gemacht habe ist Blumen verteilen für Menschen deren Arbeit ich irgendwie besonders wertschätzen möchte die Mitarbeiterinnen, die mir jeden Tag im Café um die Ecke schon in aller Herrgottes früh einen Café macht und dabei ein Lächeln auf den Lippen hat oder die Busfahrerin, die mich in der Früh zum Flughafen bringt wenn ich am Weg in den Urlaub bin.

00:04:48: Und solche kleinen Gesten machen so viel aus und ich habe irgendwie ausnahmslos gute Erfahrungen damit gemacht.

00:04:54: Ich finde das klingt total nett und ich hab jetzt auch eine gute Erfahrung mit dir gemacht!

00:04:58: Mit dem Kaffee?

00:05:00: Ich nehme an eben... Die Leute freuen sich einfach über so kleine Aufmerksamkeiten.

00:05:04: Ja voll!

00:05:05: Wenn ich das richtig in Erinnerung hab hast du ja auch quasi in Vorbereitung auf diese Folge ein bisschen Good Vibes versprüht.

00:05:11: oder was hast Du

00:05:11: gemacht?!

00:05:12: Also ich habe es probiert.

00:05:13: Es gibt auch Dinge, die ich eigentlich schon mache, die mir dann eingefallen sind, die passen glaube ich dazu nämlich Trinkgeld geben wo's jetzt nicht

00:05:21: so

00:05:21: super üblich ist zum Beispiel an der Supermarktkasse einfach aufrunden.

00:05:25: das sind die Kassiererinnen und Kassiere auch oft sehr überrascht und freuen sich auch wenn sie nur eine Kleinigkeit ist oder auch wenn man beim Einkaufen bleibt das Geld vom Einkaufswagerl der Personen geben, die die Straßenzeitung verkauft.

00:05:36: Ich hab' dann auch als es zu heiß war z.B immer wieder mal denen ein Wasser gebracht.

00:05:40: also da sind jetzt Eher materielle Dinge.

00:05:43: Ich weiß nicht, zählt das private Umfeld auch oder nur fremde Personen?

00:05:48: Voll!

00:05:48: Zählt glaube ich auch.

00:05:49: Ich bin mir nicht sicher... Ich habe bei mir den Eindruck gehabt dass der Effekt noch größer ist bei fremden Personen die so gar nicht damit rechnen.

00:05:55: aber bei meinem Experiment waren schon auch meine Freundinnen und Kanten teil davon.

00:05:59: Also ebenso Freundinnen einladen wenn man irgendwie was essen ist oder meinen Partner den Lieblingssnack oder somit bringen.

00:06:05: Und das was ich jetzt bewusst für die Folge gemacht hab war Komplimente zu machen.

00:06:10: Zum Beispiel beim Bäcker habe ich einer Frau gesagt, dass mir ihre Tasche gefällt.

00:06:14: Die hat sich dann auch total gefreut und konnte das Kompliment sogar annehmen was ja auch nicht immer angeht kann.

00:06:19: Allerdings ist es jetzt nicht etwas, was ich so natürlich machen würde.

00:06:24: also es kostet mich schon Überwindung und irgendwie überlegt man sich dann auf ständig Was soll ich jetzt sagen?

00:06:28: Und Ich wollte halt nur jetzt Dinge... Also jetzt nicht rein auf das Äußere oder so gehen.

00:06:35: Das war dann vielleicht zu bewusst.

00:06:37: Es muss eher aus dem irgendwie ärmel geschüttelt kommen und so sich natürlich anfühlen

00:06:44: voll.

00:06:44: Und was schon auch vielleicht ist das jetzt auch einfach meine Sensibilisierung, was mir schon auffällt ist wenn man in den Öffis ist es helfen eigentlich ganz wenigen Personen wenn jetzt jemand mit Kinderwagen einsteigt und da schaue ich dann schon immer dass ich irgendwie da Hand anlege und helfe.

00:07:04: Was mir auch aufgefallen ist, mit Kind hat man ständig so kleine Alltagsbegegnungen die ich davor nicht hatte.

00:07:10: Einfach weil Menschen irgendwie eher Kinder ansprechen.

00:07:14: Das heißt ich habe dann schon noch öfter jetzt mit der Nachbarin oder auf dem Spielplatz einfach Gespräche, die ich da vor nicht hatte und das sind schon alles so kleine heilsame Alltags-Begegnungen.

00:07:24: Ja voll schön!

00:07:25: Auch voll schön mit dem Trinkgeld bei unerwarteten Situationen wo die Menschen überhaupt nichts damit rechnen.

00:07:30: Das merke ich mir auf jeden Fall.

00:07:32: Was mich auch noch interessieren wird, wie hast du dich dann dabei gefühlt beziehungsweise danach nach diesen schönen Begegnungen?

00:07:38: Voll gut.

00:07:39: Also es sind wirklich so kleine Momente wo viel Leichtigkeit und Wärme versprüht werden und auch wie du gesagt hast ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

00:07:49: Voll das dachte ich mir weil es ja auch voll gut bewiesen ist dass man wenn man anderen Menschen eine Freude macht auch selbst voll schöne Glücksmomente erlebt.

00:07:57: Schenken an sich macht sogar noch glücklicher, als es beschenkt werden.

00:08:01: Das bestätigen zahlreiche Studien und das ist genau der Punkt.

00:08:04: also man gibt was her Geld Zeit oder Aufmerksamkeit was auch immer und bekommt aber auch etwas zurück, nämlich in Form eines guten Gefühls.

00:08:12: Und in der Wissenschaft gibt es dafür sogar einen Begriff den Warm-Glow-Effekt also das warme Streien quasi.

00:08:18: Dieser Effekt wurde in einer Studie der Universität Lübeck, Zürich und Chicago nachgewiesen und zwar mit Hilfe von Magnetresonanstomographie kurz eben die MRTs Und da hat man dann möglichst detaillierte Informationen über die Hirnaktivität erhalten können.

00:08:33: Also um zu beobachten, was passiert eigentlich im Gehirn wenn man etwas verschenkt oder auch wenn man nur daran denkt etwas zu verschenken?

00:08:41: Zur Magnetresonanztomografie klingt jetzt noch sehr technisch, da kann ich mir jetzt nicht so viel darunter vorstellen.

00:08:46: wie genau wurde das denn untersucht?

00:08:48: Also die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie, denen wurde versprochen dass sie in den nächsten vier Wochen Geld erhalten würden.

00:08:55: Und die eine Hälfte wurde darum gebeten das Geld für andere auszugeben Die andere Hälfe sollte dem Betrag für sich selbst ausgeben.

00:09:02: Und nachdem alle dieser Abmachung zugestimmt hatten wurden beide Gruppen unvorbereitet darum Gebeten eine Aufgabe zu erledigen.

00:09:09: Und dabei sollten sie Entscheidungen treffen bei denen quasi ihre Großzügigkeit untersucht wurde.

00:09:14: Und am Ende der Aufgabe wurden auch alle noch gefragt, wie glücklich sie sich fühlen.

00:09:18: Und eben genau diese Aufgabe wurde im Magnetresonanz-Tomographiescanner durchgeführt.

00:09:24: Das Ergebnis ist dann ganz eindeutig gewesen – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mit dem zu erhaltenem Geldbetrag quasi ihren Liebsten etwas Gutes hätten tun sollen waren im Versuch großzügiger als die Leute aus der Gruppe, die das Geld für sich selbst ausgegeben hätten.

00:09:39: Außerdem gab es auch die schenkende Gruppe nach der Aufgabe anglücklicher zu sein.

00:09:43: Das Forschungsteam konnte so einen direkten Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glücksgefühlen bestätigen.

00:09:49: Und das hat sich eben auch ganz klar in dem MRT dann gezeigt, dass großzügige Verhalten hart zu einer verstärkten Aktivierung der Temporallappen geführt – und das beeinflusst wiederum die Aktivierungen unseres Belohnungssystems.

00:10:01: und so entsteht dieses wohlige Glücks-Gefühl dieser Warm Glow.

00:10:05: Also schön, dass man das direkt im Hirn dann auch sieht!

00:10:09: Aber was ich mich jetzt gefragt habe… gewöhnt man sich dann nicht auch irgendwie ans Schenken, also dieser Glückseffekt lässt ja oft nach bei anderen Aktivitäten.

00:10:18: Ist das beim Schencken auch so?

00:10:20: Eben nicht!

00:10:20: Das ist das Schöne.

00:10:22: Eine Studie der Universität von Chicago hat genau das untersucht.

00:10:25: Studierende erhielten jeden Tag fünf Dollar Und eine Gruppe sollte das Geld für sich ausgeben und die zweite Gruppe musste wieder jemand anderem damit eine Freude machen.

00:10:34: Bei den Studierenden, die das Gelb für sich selbst ausgaben, sank dass damit verbundene Glücksgefühl von Tag zu Tag.

00:10:39: also die fünf Dollar waren relativ rasch nichts besonderes mehr.

00:10:43: Und bei den Studentinnen und Studenten, die dieses Geld weitergaben war das anders!

00:10:47: Die fühlten sich dabei am fünften Tag noch mindestens genauso glücklich wie am ersten.

00:10:51: Und ich muss auch aus eigener Erfahrung sagen, ich war nach jeder kleinen Geste jetzt gegen Ende des Experiments noch genau so beflügelt wie am ersten Tag.

00:10:58: Also das summiert sich ja auch irgendwie quasi auf?

00:11:01: Dann habe ich das richtig verstanden!

00:11:03: Ja voll, kann man schon sagen...

00:11:04: und wenn wir jetzt einen Schritt zurückgehen warum tut dieses Geben eigentlich so gut?

00:11:10: Weil wir soziale Wesen sind, das klingt banal ist aber eigentlich die grundlegende Tatsache.

00:11:15: Unser wohlbefinden hängt einfach nicht nur davon ab was in unserem eigenen Kopf passiert sondern wir sind ständig mit anderen Menschen verbunden.

00:11:23: Wir beobachten wie es ihnen geht, wir reagieren auf ihre Gefühle, wir suchen Zugehörigkeit und Anerkennung.

00:11:28: Und auch in der Psychologie ist das gefestigtes Wissen dass grundsätzlich jeder Mensch als soziales Wesen darauf ausgerichtet ist sich eben sozial und altruistisch zu verhalten.

00:11:38: Und dazu gehört auch das Schenken, wenn wir jemandem etwas schenken dann handeln wir quasi im Einklang mit unseren Werten als Mensch die eben nicht nur auf uns selbst bezogen sind.

00:11:48: Genau deshalb sind Beziehungen so zentral für unser Wohlbefinden, das zeigt auch die berühmte Harvard Study of Adult Development.

00:11:55: Die läuft mittlerweile seit mehr als achtzig Jahren und gehört zu den längsten Langzeitstudien überhaupt.

00:12:00: Sie begleitet Menschen über Jahrzehnte hinweg und versucht herauszufinden welche Faktoren langfristig mit einem guten und gesunden Leben zusammenhängen.

00:12:08: Also zentrall geht es um die Frage was ein glückliches Leben quasi ausmacht.

00:12:13: Das Studiendesign war irrsinnig aufwendig und ist voll komplex, weil es ja erstens gar nicht so einfach ist, Glück zu definieren.

00:12:19: Und Menschen vor allem in jungen Jahren häufig noch gar nicht genau wissen was sie wirklich glücklich macht.

00:12:24: also oft wissen wir im Nachhinein erst dass etwas gar nichts so gut war für das eigene Wohlbefinden.

00:12:30: Und all diese Punkte wurden in dem Studiendesig berücksichtigt.

00:12:33: und für ein glückliches Leben müssen auch eine ganze Reihe von Rahmenbedingungen stimmen die socioökonomische Situation gesellschaftliche Anerkennung Gesundheit.

00:12:42: Und gibt es dann auch etwas, was irgendwie alle Menschen verbindet?

00:12:45: Was allen gut tut.

00:12:47: Ja voll genau das ist das Spannende an der Studie weil eben obwohl Menschen so unterschiedlich sind und jeder und jede individuelle Vorstellung vom eigenen Glück hat gibt's einen Faktor der sich als eindeutig am wichtigsten herausstellt.

00:13:01: Und das sind gute Beziehungen!

00:13:03: Robert Waldinger, einer der Autoren der erwähnten Harvard-Studie sagt dabei, dass die Fähigkeit, gute Beziehungen zu führen wie ein Muskel ist er sich trainieren lässt.

00:13:12: und Trainingsübungen können eben genau solche besprochenen Dinge sein indem man fremden auf der Straße ein Komplement macht mit der allein stehenden Nachbarin ins Gespräch kommt usw.. Also auch wenn es jetzt, wie du gesagt hast am Anfang irgendwie ungewohnt ist.

00:13:24: Ich glaube das wird echt mit jedem Mal dann leichter so ein Kompliment zu verteilen

00:13:28: und da schließt sich ja auch in einen Effekt der Kreis zu der These vom sozialen Kit oder?

00:13:33: Genau!

00:13:34: Ja voll die Gesellschaft besteht ja nicht nur aus großen Institutionen und Gesetzen und Organisationen sondern einfach aus diesen Millionen kleinen Interaktionen zwischen Menschen.

00:13:44: Und für sich genommen ist jeder dieser Handlungen völlig unspektakulär.

00:13:47: aber eigentlich passiert da total viel eben auf beiden Seiten

00:13:50: Wobei man jetzt, wenn man das kritisch sieht natürlich auch sagen könnte.

00:13:53: Das ist schon eine ziemlich romantische Vorstellung von einer Gesellschaft oder?

00:13:58: Ja absolut und ich will jetzt auch gar nicht behaupten dass ein verschenkter Kaffee die großen gesellschaftlichen Probleme löst oder so.

00:14:05: Aber ich glaube, wir unterschätzen schon oft wie wichtig diese kleinen Signale sind.

00:14:09: Denn wenn ich jemandem etwas gebe dann signalisiere ich automatisch Ich seh dich du bist mir nicht völlig egal und umgekehrt bekomme ich auch das Signal ich bin Teil dieser Gesellschaft dieser Gemeinschaft Und das kann gerade beim Thema Einsamkeit dass wir schon hatten eine Rolle spielen.

00:14:23: Denn Einsamheit bedeutet ja nicht nur dass jemand zu wenige Menschen um sich herum hat.

00:14:27: man kann auch mitten in einer Großstadt leben jeden Tag ganz viele Menschen sehen und trotzdem einsam sein.

00:14:34: Entscheidend ist eben dieses Gefühl, mit anderen verbunden zu sein.

00:14:37: Und da können diese kleinen sozialen Kontakte einen Unterschied machen.

00:14:41: Natürlich ersetzt jetzt nicht ein nettes Gespräch mit der Kassiererin keine Freundschaft und ein geschenkter Café keine Therapie wenn jetzt jemand psychisch sehr schwer belastet ist.

00:14:50: aber es ist ein Anfang und man weiß aus der Forschung dass solche kleinen Interaktionen ganz Großes bewirken kann.

00:14:57: oft der Anfang von einer intensiferen Beziehung, wer weiß.

00:15:00: Und ja wie gesagt verloren ist aber sowieso nichts weil man fühlt sich auch selbst danach viel besser wenn man jemandem was Gutes getan hat.

00:15:07: Aber oft gibt es ja auch diese Antwort oder diesen Gedanken dazu du machst das ja dann im Endeffekt nur für dich weil's für dich irgendwie sich gut anfühlt und gar nicht so sehr für die andere Person.

00:15:16: also das ist ja gerade bei Altruismus oder Ehrenamt zum Beispiel sind oft ein Punkt.

00:15:22: Ist das denn überhaupt noch bedingungslos?

00:15:25: Ja, wie du sagst.

00:15:26: Ich glaube auch die Frage stellen sich echt viele.

00:15:29: aber bedingungslos heißt ja nicht dass ich keinerlei positiven Effekte von haben darf.

00:15:33: wenn ich jemandem helfe und mich danach gut fühle heißt es ja nicht das meine Hilfe unehrlich oder egoistisch war.

00:15:38: im gegenteil Menschen können gleichzeitig aus Mitgefühl handeln und Freude daran empfinden dass eine schließt das andere nicht aus.

00:15:45: Und genau deshalb finde ich auch diesen Begriff Warm Glow irgendwie total schön.

00:15:49: Das stehe für mich irgendwie für so ein breiteres Strahlen, einen Kreislauf.

00:15:53: Ich gebe etwas du bekommst etwas.

00:15:55: Ich bekomme durch deine Reaktion vielleicht auch Freude zurück.

00:15:58: Dadurch habe ich wieder Lust beim nächsten Mal was zu geben und vielleicht gibst du irgendwann selbst dann was weiter?

00:16:03: Das ist eigentlich voll die schöne Vorstellung dass Großzügigkeit sich gewissermaßen selbst verstärken kann

00:16:09: und eben nicht an Bedingungen geknüpft ist, mit ich gebe dir was.

00:16:12: deshalb musst du mir auch etwas geben.

00:16:15: Und ich finde den Gedanken eigentlich sehr schön dass wir ja in einer Gesellschaft leben wenn der es sehr viel um Leistung geht, um Effizienz, um Selbstoptimierung und Schenken da vielleicht auch ein schöner Gegenpart sein kann.

00:16:28: Ja voll, ich sehe das auch so.

00:16:29: Weil eben wir sind es gewohnt uns zu fragen was bringt mir das?

00:16:32: Was habe ich davon?

00:16:33: Was bekomme ich dafür?

00:16:34: und natürlich kann sinnvoll sein auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

00:16:38: aber wenn dieses Denken dann auf jede einzelne soziale Interaktion übergreift wird's irgendwann schwierig.

00:16:43: Und genau da ist eben diese bedingungslose Schenkung so spannend weil es eine kleine Handlung ist bei der ich sage Ich mache das jetzt ohne vorher auszurechnen was für mich dabei raus springt oder teilweise auch ohne zu wissen was sich daraus ergibt.

00:16:55: Ich hab zum Beispiel voll gerne auch einfach zwei Cafés bezahlt, wenn niemand hinter mir in der Schlange war und dann einfach der Barista bescheid gegeben, dass sie die nächste Person einladen soll.

00:17:04: Ich werde nie wissen wer die Person war aber allein die Vorstellung daran ist urschön!

00:17:08: Und das ist eigentlich auch so.

00:17:10: die wichtigste Erkenntnis aus meinem Selbstversuch, dass ich gar nicht irgendwie gelernt habe großzügiger zu sein sondern einfach genauer hinzuschauen und mich zu fragen wo könnte ich jemandem gerade eine kleine Freude machen?

00:17:20: Wo könnte ich einem Arbeit abnehmen?

00:17:22: Wem könnte ich zuhören?

00:17:23: Es finde ich total gute Ansatzpunkte für hundred days of giving challenge in einer sehr alltagstauglichen Variante auch.

00:17:31: Also vielleicht muss man jetzt nicht direkt hundert Tage zum Ziel haben, aber so genauer hinschauen aufmerksam sein ist sicher ein guter Weg.

00:17:39: Genau, vielleicht macht man mal die Seven Days of Gwing oder auch gar nicht an eine Anzahl von Tagen gebunden.

00:17:44: Weil es am Ende ja eben nicht darum geht sich noch eine weitere Challenge aufzuhalsen sondern eben wieder ein bisschen mehr zu merken dass wir nicht nur nebeneinander erleben sondern wie aufeinander angewiesen sind.

00:17:54: und das ist jetzt vielleicht ein großer Bogen zu deinem Café und zu den kleinen Schenken.

00:17:59: aber genau dort landen wir eigentlich wieder bei Bettina Ludwigs Beobachtungen aus den Jäger- und Sammlergesellschaften Bei der Vorstellung, dass Menschen von Anfang an erleben.

00:18:07: Ich bin Teil einer Gemeinschaft andere sind für mich da und ich bin für andere da.

00:18:12: Und was heißt du sonst noch aus dem Selbstversuch so mitgenommen?

00:18:16: Ja, ich glaube das sich tatsächlich einfach weitermachen wird.

00:18:18: also vielleicht jetzt nicht jeden Tag und nicht nach irgendeinem fixen Plan aber ich möchte mir schon diese Aufmerksamkeit beibehalten.

00:18:25: Ich habe das unmittelbar selbst gespürt wie sehr schenken menschliche Beziehungen stärkt und das grundsätzliche soziale Bedürfnis nach Gemeinschafter füllt.

00:18:34: Und das klingt jetzt schon fast ein bisschen esoterisch, aber auch das kommt aus der Kulturantropologie.

00:18:40: Wir haben glaube ich teilweise einfach vergessen wie sehr wir miteinander verbunden sind.

00:18:44: Absolut und auch wenn jeder dann irgendwie für sich mit seinem Handy und seinen Kopfhörern in da oben hockt hat man schon oft das Gefühl wir können eigentlich alle gar nicht mehr zusammen.

00:18:53: vielleicht müssen wir einfach dieses Gefühl der Verbundenheit in unserer modernen Gesellschaft Ganz bewusst herstellen und da ist das ja auf jeden Fall ein guter Anfang.

00:19:02: Es muss ja nicht immer was Materielles sein.

00:19:04: Genau, und abschließend noch eine Sache die mir ganz wichtig ist zu betonen wir dürfen auch annehmen.

00:19:10: Also wenn mir jemand einen Kaffee mitbringt, muss ich mich sofort überlegen womit ich mich revanchiere.

00:19:16: Ich kenne das gut!

00:19:16: Das ist glaube ich auch total menschlich und das kennen wahrscheinlich viele dass man sich direkt revanchieren will oder dass es schwierig ist ein Kompliment einfach anzunehmen wie du schon vorher angesprochen hast ohne dass man es direkt kleiner macht als es dann tatsächlich ist.

00:19:29: aber wenn mir jemand hilft dann muss ich eben nicht zuvor sagen mach das nächste mal bin dann ich wieder dran.

00:19:34: Sondern natürlich darf man sich bedanken, aber vielleicht muss man nicht jede soziale Geste sofort wieder ausgleichen quasi.

00:19:39: Denn wenn wir wirklich von einer Gemeinschaft sprechen dann bedeutet das ja auch dass nicht immer alle gleichzeitig gleich viel geben können.

00:19:47: Manchmal bin ich diejenige die gerade viel geben kann und manchmal bin ich aber auch die jene die was braucht Und genau daraus entsteht der Gemeinschacht.

00:19:54: Du hattest ja auch vor der Aufnahme direkt den Impuls mir den Kaffee zurückzuzahlen.

00:19:59: Aber ich sag dir jetzt gleich nochmal freu dich einfach drüber

00:20:03: Danke, dann übe ich gleich das annehmen.

00:20:06: Also es geht auch einfach darum dass wir im Alltag immer wieder so kleine Möglichkeiten suchen einander zu zeigen.

00:20:13: hey ich sehe dich und du bist Teil dieser Gemeinde.

00:20:16: Ganz genau!

00:20:17: Ich glaube das ist ein schönes Schlusswort.

00:20:19: Vielleicht habt ihr ja auch noch Ideen wie man anderen eine Freude machen kann?

00:20:23: Dann schreibt sie doch gerne in die Kommentare.

00:20:25: Und wer sich auch noch mehr mit den angesprochenen Themen auseinandersetzen möchte, sucht am besten mal in der Podcast-App.

00:20:32: bei unserem Podcast besser leben.

00:20:34: Wir hatten ganz am Anfang mal eine Folge zu Altruismus und schenken an sich aber auch zur Ehrenamt und auch eine Folge zum Komplimenten und wie man die gibt und annimmt.

00:20:45: Und was mir spontan auch einfällt – ich finde es immer voll schön wenn mich jemand einen Song oder einen Text stückt mit den Worten «Oh, ich habe das gerade gesehen, da muss dich ja nicht denken».

00:20:53: Und das funktioniert auch ganz erfahrigend mit Podcasts.

00:20:56: Also teilt die Folge doch gerne mit euren Liebsten, vielleicht entsteht dann so ein Kreislauf an Warm Glows

00:21:02: oder schenkt uns eine fünf Sterne Bewertung auf Spotify, Apple Podcast, der Standard App und überall sonst wo ihr Podcast hört.

00:21:10: Falls Ihr Themenideen oder Wünsche habt, dann schreibt uns gerne einen besser Leben at thestandard.at.

00:21:15: Das war besser leben, das Standard-Podcast zum Glücklichwerden.

00:21:18: Mein Name ist Magdalena Patsch

00:21:20: und ich bin Selina Tala.

00:21:21: Um produziert wurde diese Folge von Christoph Neuwirt.

00:21:23: Wir hören uns nächste Woche wieder, Papa!

00:21:25: Bis dann.